Lieferengpässe und Depression

Venlafaxin – laut BfArM nicht versorgungsrelevant

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In der S3-Leitlinie „Unipolare Depression“ sind zur Prävalenz und Inzidenz folgende Angaben gemacht: „Das Risiko, im Laufe des Lebens an einer Depression (alle Formen) zu erkranken, liegt national wie international bei 16 bis 20 Prozent. Die Häufigkeit einer unipolaren Depression in der Allgemeinbevölkerung wird in einem Zeitfenster von 12 Monaten auf 7,7 Prozent, die 12-Monatsprävalenz für eine Major Depression auf 6 Prozent und für eine Dysthymie auf 2 Prozent geschätzt. Damit liegt die Anzahl der Betroffenen in Deutschland, die in einem Zeitraum von 12 Monaten an einer unipolaren Depression erkrankt sind, bei circa 6,2 Millionen.“

2018 wurden laut Arzneiverordnungsreport rund 200 Millionen definierte Tagesdosen (DDD) Venlafaxin verordnet; damit liegt Venlafaxin unter den SSNRI weit vor Duloxetin (80 Millionen DDD) und Milnacipran (3 Millionen DDD). Häufiger eingesetzt werden nur Wirkstoffe aus der Gruppe der SSRI (690 Millionen DDD), darunter Citalopram (260 Millionen DDD), Sertralin (170 Millionen DDD) und Escitalopram (135 Millionen DDD). Trizyklischen Antidrepressiva wie Amitriptylin und Opipramol kommen auf 240 Millionen DDD, Mirtazapin auf 185 Millionen DDD.

Anders ausgedrückt: Mit 2,2 Millionen Verordnungen liegt Venlafaxin auf Platz 52 der 100 verordnungsstärksten Wirksstoffe – vor Wirkstoffen wie Fentanyl, Betamethason und Escitalopram, die alsversorgungsrelevant gelistet sind.

Auch in der WHO-Liste der unverzichtbaren Wirkstoffe ist Venlafaxin nicht zu finden. Unter dem Punkt „Arzneimittel für psychische Störungen und Verhaltensstörungen“ sind folgende Wirkstoffe gelistet: Chlorpromazin, Fluphenazin, Haloperidol, Risperidon, Clozapin, Amitriptylin, Fluoxetin, Carbamazepin, Lithium, Valproinsäure, Diazepam und Clomipramin.

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