Interview Dr. Patricia Ex (BMC)

Neue Dienstleistungen: „Keine Apotheke hat Bestandsschutz“ Lothar Klein, 02.09.2019 10:23 Uhr

Berlin - Apotheker sollten sich wesentlich intensiver und engagierter als bisher in die Entwicklung neuer Versorgungsformen einbringen. Das fordert Dr. Patricia Ex, Geschäftsführerin des Bundesverbandes Managed Care (BMC): „Wir haben rückblickend immer bedauert, dass Apotheker in vielen Versorgungsmodellen so gut wie keine Rolle gespielt haben.“ Es sei der Eindruck entstanden, dass Apotheker viel zu sehr auf Defensive ausgerichtet gewesen seien: „Sie haben ihre Strukturen verteidigt“, sagte sie im Interview mit APOTHEKE ADHOC.

ADHOC: eRezept, ePatientenakte und eMedikationsplan stehen kurz vor der Einführung und werden den Gesundheitsmarkt verändern. Das müssten doch goldene Zeiten für Managed-Care-Angebote werden.
EX: Goldene Zeiten, das müssen wir abwarten. Aber es kommt natürlich Bewegung in den Markt. eRezept und eAkte sind eine gute Grundlage, um mehr Managed Care – also mehr koordinierte Versorgungsstrukturen – in den Markt zu bringen. Es geht ja darum, verschiedene Versorgungsbereiche, verschiedene Heilberufe und Gesundheitsprofessionen zusammenzubringen. Der Apotheker erfährt mehr vom Arzt und umgekehrt. eRezept und ePatientenakte sind als digitale Daten- und Kommunikationsplattform sozusagen der Kleber zwischen den Beteiligten. Wir erwarten, dass dadurch die Zusammenarbeit leichter wird.

ADHOC: Wie man hört, gibt es aber überall Widerstand gegen sektorübergreifende Versorgungsmodelle.
EX: Richtig, die Akteure müssen trotz aller technischer Erleichterungen zusammenarbeiten wollen, damit in der Praxis etwas passiert. Wir haben beispielsweise in Estland, dem Musterland der Digitalisierung, beobachtet, dass trotz technischer Voraussetzungen gegenseitige Vorbehalte zwischen Apothekern und Ärzten weiterhin bestehen. Auch nach der Einführung von eRezept und ePatientenakte muss die Zusammenarbeit erst mit Leben gefüllt werden. Das wird noch ein langer Weg werden.

ADHOC: Auch wenn sich die technischen Voraussetzungen verbessern, sind Versorgungs- und Selektivverträge immer noch gesetzlich geregelt. Ist das ein Hindernis? Muss da etwas geändert werden?
EX: Selektivverträge sind im Sozialgesetzbuch (SGB V) festgeschrieben. Dadurch gibt es erhebliche Einschränkungen. Das spüren wird auch bei den Modellprojekte des Innovationsfonds. Da könnte es deutlich mehr Experimentierfreude geben, zum Beispiel bei der Zusammenarbeit zwischen Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen. Wir brauchen eine Vertragsgrundlage, die unabhängig von den Sektorengrenzen im SGB greift. Man müsste den Paragrafen 140 a sozusagen vor das SGB ziehen, damit alle Versorgungsbereiche erfasst werden können. Das würde die Zusammenarbeit erheblich erleichtern.

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