Keine 2 Meter: Spahn und das Aufzug-Dilemma

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Berlin - Seit Beginn der Corona-Pandemie predigen alle Virologen und Politiker unisono eine Botschaft: Händewaschen und Abstand halten – an erster Stelle Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Heute informierte er sich am Uni-Klinikum in Gießen über die Situation im Gesundheitswesen. Und wurde auf frischer Tat ertappt: In einem bis zum letzten Stehplatz vollen Aufzug ließ sich Spahn dichtgedrängt fotografieren – von 2 Meter und Vorbildfunktion keine Spur. 

Der Bundesminister wurde unter anderem begleitet von Ministerpräsident Volker Bouffier, Kanzleramtschef Helge Braun (beide CDU) und dem hessischen Sozialminister Kai Klose (Grüne). Sie alle trugen bei dem Besuch in der Klinik zwar Mundschutz. Das Foto landetet prompt auf Twitter mit der Anmerkung: „Nur zum Hintergrund. An dieser Stelle sind 4 Aufzüge. Und wäre man ein Stück weiter gegangen, wären noch einmal 4 Stück gewesen. Man hätte sich also locker verteilen können.“

Kurze Zeit darauf wiederholte Spahn auf der gemeinsamen Pressekonferenz mit Bouffier seinen Distanz-Appell, das Wichtigste überhaupt auch mit Blick auf Lockerung der Corona-Maßnahmen sei die Einhaltung der Abstandsregel um dann hinzuzufügen: „Wir haben gerade gemerkt, dass das nicht immer so einfach ist im Alltag.“ Man nehme sich das zwar immer vor und dann stünden auf einmal alle in einem Aufzug, so Spahn. Auf Twitter erntet die Situation Häme und Kritik. So schreibt eine Userin: „Tolle Vorbilder wie man richtig Abstand hält [...] Bekommen die jetzt auch ein Bußgeld? Weil das wäre gerecht und hätte einen Lerneffekt.“ Ein anderer schreibt: „Das meinten dann wohl die Wissenschaftler, die von Masken abrieten, weil sie zu Leichtsinn verleiten würden.“

Mit dem Verhalten der Bürger über Ostern zeigte sich Spahn zufriedener als mit sich selbst. Die Einschränkungen wegen der Corona-Krise hätten eine „sehr, sehr hohe Akzeptanz und Unterstützung” in der Bevölkerung gefunden“. Das sei wichtig für das weitere Vorgehen und für mögliche Lockerungen der Corona-Regelungen. Bei dem Besuch in der Uni-Klinik Gießen sprach Spahn zuvor unter anderem mit einer Medizinstudentin, die sich am Eingang der Klinik um Coronavirus-Verdachtsfälle kümmert, sowie mit einem Arzt und einer Krankenschwester vor der Intensivstation. Am Uni-Klinikum in Gießen (UKGM) werden nach Angaben eines Sprechers derzeit 18 Covid-19-Patienten behandelt. Bei Spahns Besuch standen außerdem Gespräche mit der Geschäftsführung und dem Krisenstab des Klinikums auf dem Programm.

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