Globuli: Goldstandard von gestern

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Berlin - Kritische Stimmen zur Homöopathie gibt es immer wieder. Gegen die Übermacht der Befürworter kommen sie jedoch nur selten an. Zu stark ist die Armada der Heilpraktiker, Apotheker, Ärzte und Eltern, die die Heilkraft von Globuli, Tinkturen & Co. anpreisen. Dass Homöopathika einen Placebo-Effekt haben, ist unbestritten; auf die richtige Einordnung gegenüber der evidenzbasierten Medizin kommt es an. Es wird Zeit, dass die kritischen Stimmen lauter werden.

Endlich formiert sich lautstarker Widerstand. Vereinzelt tauchen die Kritiker auf, schreiben Bücher, verschaffen sich kurzfristig Gehör – dann mahlen die Mühlen ihren gewohnten Gang. Wenn das Kind gefallen ist, gibt es Arnica-Kügelchen, gegen die Allergie helfen angeblich ein paar Tropfen mit dem Namen Apis mellifica C9 oder Sabadilla C15 – und der Patient weiß nicht einmal, was das wirklich ist. Dazu kommen geradezu hexerisch anmutende Auswüchse wie gegen den Erdmittelpunkt geschüttelte Rinderherzen-Dilutionen.

Historisch gesehen mag die Entwicklung der Homöopathie durchaus nachvollziehbar sein. Zu Hahnemanns Zeiten im beginnenden 19. Jahrhundert gab es die heutige moderne Medizin noch gar nicht. Die „Vier-Säfte-Lehre“ war der medizinische Standard, und häufig verstarben Patienten nicht trotz, sondern wegen des behandelnden Arztes. Da hatte ein neuer Ansatz der „sanften Medizin“ mit hohen hygienischen Standards seine Berechtigung. Selbstheilungskräfte funktionierten häufig besser als Aderlässe und Operationsmethoden mit dubiosen Werkzeugen.

Der Siegeszug der Homöopathie war vor 200 Jahren also sicherlich berechtigt. Das macht sie aber heute nicht zu einer gleichberechtigten Behandlungsmethode neben der Schulmedizin. Es ist höchste Zeit, dass darauf lautstark hingewiesen wird. Nicht nur von Einzelpersonen, sondern von einem disziplin- und sogar länderübergreifenden Netzwerk.

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