Antikörpertests: Falsch-negative Ergebnisse möglich

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Berlin -

Bisher existiert kein Schnelltest, mit dem eine Bestätigung einer Sars-CoV-2-Infektion eigenhändig durchgeführt werden kann. Das könnte sich bald ändern – Testsysteme, analog zu einem Schwangerschaftstest, sind bereits in der Entwicklung. Wie sinnvoll der Einsatz dieser Tests ist, wird aktuell diskutiert: Da ein Nachweis von Antikörpern erst ab einem bestimmten Grenzwert erfolgen kann, besteht die potentielle Gefahr von falsch-negativen Ergebnissen. Das könnte zu weiterer Verunsicherung seitens der Bürger führen.

PCR-Test vs. Schnelltest

Der PCR-Test erkennt das Virus oder Virusteile an sich, ein Schnelltest erkennt im Blut vorhandene Antikörper. Der PCR-Test ist die momentan standardmäßig angewandte Diagnostik zum Nachweis einer Sars-CoV-2-Infektion. Er eignet sich optimal ab Tag 1 der Infektion bis zum Zeitpunkt der Symptomentstehung. PCR-Tests können in jeder Phase der Erkrankung – auch in der frühen Erkrankungsphase – als diagnostisches Mittel eingesetzt werden.

Die bald von mehreren Unternehmen vertriebenden Antikörperschnelltests eignen sich nur bedingt. In der frühen Erkrankungsphase weisen Patienten für einen Schnelltest zu wenige Antikörper auf. Die Antikörperkonzentration nimmt erst nach Einsetzen der Symptome zu. Die Konzentration an Immunglobulin-M (IgM) im Blut steigt im Krankheitsverlauf stetig an. Der Peak liegt meist um den 7. bis 10. Tag herum – erst hier steigt die Sensitivität vieler IgM-Schnelltests auf über 90 Prozent an.

Die Schnelltests sollen vorerst nur an Kliniken und medizinische Praxen ausgegeben werden. Krankenhäuser können bei begründeten Verdachtsfällen mit den Antikörper-Schnelltests durch eine schnelleren Diagnostik unterstützt werden, gleichzeitig können Labore entlastet werden.

Von Schnelltests für die Nutzung durch den Endkunden selbst raten Experten deshalb aktuell ab. Testet sich ein Patient zu früh, so erhält er mitunter ein falsch-negatives Ergebnis. Folglich könnte er davon ausgehen, gesund zu sein, und er könnte soziale Kontakte wieder aufnehmen. Folglich könnten weitere Menschen unwissentlich infiziert werden. Deshalb raten viele Wissenschaftler und Mediziner weiterhin zur selbstauferlegten Quarantäne im Verdachtsfall. Wer den Verdacht hegt, sich mit Sars-CoV-2 infiziert zu haben, der sollte vorerst zu Hause bleiben und Kontakt mit seinem Hausarzt oder einer der zahlreichen Corona-Hotlines aufnehmen, um das weitere Vorgehen zu besprechen. An dieser Vorgehensweise würde sich auch nach Einführung der Tests vorerst nichts ändern.

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