Februar kompakt

Kontrolle, Möbel & Demenz

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Berlin -

Der Februar hat zwar in diesem Jahr einen Tag mehr als gewöhnlich, trotzdem ist er auch 2016 wieder wie im Rausch vorbeigezogen. Wer nicht alle Top-Themen verfolgen konnte oder den Anschluss an eine Debatte verloren hat, findet hier noch einmal die Highlights in aller Kürze mit den Links zu den wichtigsten Texten des Monats.

Forscher an der Universität Bonn haben herausgefunden, dass Protonenpumpenhemmer (PPI) das Risiko für Demenz bei Menschen über 75 Jahren erhöhen können. Senioren, die etwa Omeprazol oder Pantoprazol über längere Zeit einnahmen, hatten eine um 44 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit, an Demenz zu erkranken. Die Forscher raten, die Medikamente nur im Rahmen des Notwendigen einzusetzen und unnötige Risiken zu vermeiden. Jedoch: „Bisher besteht kein Kausalzusammenhang“, betont Dr. Britta Hänisch vom Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) in Bonn.

Kontrolle ist gut, Revision ist besser. Denn worauf der Pharmazierat alles achtet, zeigt die Check-Liste der Apothekerkammer des Saarlandes. Bei den Begehungen gibt es für die Kontrolleure immer mal was Neues zu sehen – vor allem aber die typischen Fehler. Dazu zählt die Kontrolle der Verfalldaten, besonders in Kommissionierern mit vollautomatischer Einlagerung. Und teilweise prüfen die Pharmazieräte auch noch die Beratung des Apothekenteams.

Die Geschichte eines Apothekers, der mit einer Rezeptur womöglich das Leben eines Flüchtlingskindes gerettet hat, führte zu einer heißen Debatte innerhalb des Berufsstandes: War die Leistung des Kollegen nun alltäglich? Und falls ja, ist sie nicht dennoch erwähnenswert? Das kleine Mädchen mit dem Herzfehler und ihre Eltern werden es jedenfalls nicht vergessen, dass der Apotheker die Kapseln mit Ivabradin herstellte und zu ihnen in die Unterkunft brachte.

Schöner wohnen – schöner arbeiten. Die Apothekeneinrichtung war früher eine Anschaffung fürs Leben. Heutzutage wird empfohlen, das Aussehen der Offizin alle paar Jahre zu ändern und zu modernisieren. Dazu kann man auch Möbel eines bekannten schwedischen Anbieters verwenden oder sich alle Möbel im Lkw aus Polen bringen lassen. Die Kooperation Avie setzt auf Kundennähe am HV-Tisch und den richtigen Sound. Der Clou: Die Apotheke kann an einem Wochenende umgebaut werden.

„Clan-Apotheken sind im Kommen“, sagte Dr. Stefan Hartmann beim Kongress seines Bundesverbands der Apothekenkooperationen. Unter den Familienverbünden gebe es auch „Minikettenstrukturen“ mit mehr als vier Apotheken. Als Beispiele nannte er Dr. Peter Sandmann in München, das „Lorek-Apothekenimperium“ in Kiel, den Verbund von Günther Schmel in Bruckmühl. Klaus Hölzel führte die Bären-Apotheken in NRW und die Klindwort-Apotheken in Bad Schwartau auf.

Die Drogeriekette dm sorgte mit dem Geständnis für Aufsehen, man werde sich aus dem Handel mit eigentlich apothekenexklusiven Kosmetika zurückziehen. Die Bezug über den Graumarkt wurde den Karlsruhern zu anstrengend, die freiverkäuflichen Arzneimittel sollen aber in den Regalen bleiben. Und Konkurrent Rossmann will jetzt erst richtig Gas geben. Avène gibt es jetzt bei Douglas. Dafür will Almased-Chef André Trouillé verhindern, dass sein Abnehmpulver wieder bei Netto und Kaufland auftaucht.

Doch es gibt auch einen anderen Weg, um Zwist zwischen den Vertriebskanälen zu verhindern: Der Hersteller erschafft einen Zwilling für die Drogerie. Etliche Firmen fahren diese Zwei-Marken-Strategie, um Preise und Absatzmärkte besser kontrollieren zu können.

Auch wenn die großen Rosenmontagsumzüge im Rheinland in diesem Jahr ausgefallen sind – der Karneval wurde trotzdem gefeiert. Und mittendrin die Apotheken: In einer Offizin in der Domstadt wurden sogar Kölsch ausgeschenkt.

Das topische Antiinfektivum Locabiosol (Fusafungin) soll vom Markt genommen werden. Wegen zuletzt steigender Meldungen zu schweren allergischen Reaktionen bei Erwachsenen und Kindern hat die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) empfohlen, die Zulassung für alle Fusafungin-haltigen Präparate ruhen zu lassen. Apotheken sollen Patienten entsprechend beraten und Alternativen aufzeigen.

Werbung für Arzneimittel ist wegen der vielen Auflagen immer kritisch. Viel leichter tun sich Hersteller, wenn sie Blogger als Werbebotschafter einsetzen. Auch Klinge will in den sozialen Netzwerken neue Zielgruppen für Vomex erreichen. Die Blogger bekommen Geld dafür, wenn sie das Produkt nennen und zeigen. Einige tun das offenbar mit schlechtem Gewissen. Andere Hersteller setzen auf klassische TV-Werbung. Hier kann man sogar noch Arzt und Apotheker ins Rennen schicken, wenn es ein gleichnamiges Medizinprodukt unter der Dachmarke gibt.

Weil eine Patientin Clozapin statt Clopidogrel erhielt und ins Krankenhaus eingeliefert werden musste, stand eine PTA aus Remscheid vor Gericht. Sie muss 500 Euro Strafe zahlen, weil sie die Medikamente bei der Bestellung verwechselte. Das Versagen ist auch der Chefin zuzurechnen, gegen die ebenfalls eine Geldstrafe verhängt wurde.

Die Apotheker ziehen wieder vor das Bundesverfassungsgericht (BVerfG). Gegen das Urteil des Bundessozialgerichts (BSG) zu Zyto-Retax hat der betroffene Apotheker Verfassungsbeschwerde in Karlsruhe eingelegt. Die AOK Hessen gibt sich gelassen und freut sich über die Millionen, die sie nun ihrem Haushalt zuführen kann.

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