Neu-Inhaber

AVWL Starters: Gute Stimmung gegen den Fachkräftemangel

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Berlin -

Der Apothekerverein Westfalen-Lippe (AVWL) hat seine Veranstaltungsreihe für frisch gebackene Inhaber gestartet. Am Samstag trafen sich in Münster 60 Apotheker aus dem gesamten Kammerbezirk, um sich kennenzulernen, auszutauschen und sich zum Thema Personalführung und Unternehmensphilosophie fortzubilden.

„Natürlich sind einige Bereiche neu für mich“, sagt Jan Harbecke, „von den administrativen und betriebswirtschaftlichen alle.“ Harbecke ist mit Anfang 30 schon Inhaber geworden. Er betreibt seit Anfang 2018 die Jahreszeiten-Apotheke in Münster mit 18 Mitarbeitern, zuvor war er als Vertretungsapotheker bundesweit unterwegs. „Das ist ein Riesenunterschied“, sagt er. „Vorher ist man nur unterwegs, ist jede Woche woanders in Deutschland. Und dann ist man fest in einem Betrieb, in denselben Räumlichkeiten mit demselben Team und in derselben Stadt.“ So wie ihm geht es hunderten Apothekern in Deutschland, die entweder am Anfang ihres Berufslebens oder mittendrin den Schritt wagen, einen eigenen Betrieb zu gründen oder zu übernehmen.

60 von ihnen trafen sich am Samstag in den Räumlichkeiten der AVWL in Münster zur Kick-Off-Veranstaltung der „AVWL Starters“, wie der Verband das neue Format nennt. Die Idee dahinter: Apotheker, die seit weniger als fünf Jahren selbstständig sind, kommen zusammen, vernetzen sich, tauschen sich aus über die Probleme und Fragen, die sie alle umtreiben, und bilden sich dabei fort. „Mir ist in den vergangenen Jahren aufgefallen, dass die Apotheker beim Thema Arbeitsrecht oft noch Nachhilfe brauchen. Da dachten wir, wir machen mal was neues, statt immer nur über Spahn und den Rahmenvertrag zu diskutieren“, erklärt Hannah Beruda, Rechtsanwältin, Leiterin des Geschäftsbereichs Aus- und Fortbildung und Mitglied der AVWL-Geschäftsführung. Gemeinsam mit Geschäftsführungsassistentin Daniela Ruhmann und den beiden Apothekerinnen Juliane Hermes und Manuela Schier hat sie dir Starters aus der Taufe gehoben.

Zur Premiere holten sie die die Unternehmensberaterin Regina Först, die den Teilnehmern einen anderthalbstündigen Impulsvortrag zu ihrer neuen Rolle als Chef hielt. Dabei ging es nicht um Buchführung und Rechnungslegung, sondern die zwischenmenschliche Ebene der Zusammenarbeit. Först impfte den Neu-Inhabern die Bedeutung einer positiven Personalführung für den Betrieb ein: „Ein positives Unternehmensgefühl reflektiert auch auf die Kunden“, erklärt Hermes, Inhaberin der Phoenix-Apotheke in Münster.

Wahrscheinlich genauso wichtig ist der gute Umgang des Chefs mit seinen Mitarbeitern aber für die Personalsuche: „Statistiken zeigen, dass Mitarbeiter nicht unbedingt viel Geld verdienen wollen. Wichtiger sind Wertschätzung und eine gute Stimmung am Arbeitsplatz“, so Hermes. „Dann bleiben die Mitarbeiter nicht nur, sondern es fällt dem Chef auch leichter, neue zu finden, denn sowas spricht sich natürlich auch rum.“ Wer ein positives Arbeitsgefühl herstellen kann, brauche deshalb nicht so viel Angst vor dem Fachkräftemangel zu haben. „Das sind Synergie-Effekte, an die man sonst kaum denkt“, sagt Hermes.

Auf kniehohen, AVWL-gebrandeten Würfeln sitzend lauschten die Teilnehmer, um sich im Anschluss in mehreren Gruppen zu Workshops zusammenzufinden, das Gehörte aufzuarbeiten und sich schließlich über die eigenen Sorgen und Erfahrungen auszutauschen. „Ich habe da viele nette Leute in der gleichen Situation kennengelernt, ich bin ja selbst auch erst seit zwei Jahren selbstständig“, erzählt Hermes. „Bei den Workshops haben sich die Leute gut durchmischt, da hat sich niemand geziert, sondern alle haben sich eingebracht.“ Die Gruppe sei gut gemischt gewesen, alle Altersgruppen waren vertreten, teils haben die Teilnehmer lange Anfahrtswege auf sich genommen. Auch einige Apotheker seien dabei gewesen, die noch gar nicht selbstständig sind, das aber in naher Zukunft vorhaben. „Da haben auch Apotheker angerufen und gesagt: ‚Mein Sohn will sich demnächst selbstständig machen, kann der bei Euch vorbeikommen?‘“, erzählt Hermes.

Zu erzählen hatten sie sich einiges, denn der Schritt in die Selbstständigkeit bringt einige Neuerungen mit sich. „Die Umstellung fiel mir in dem Sinne nicht schwer, weil man als junger Selbstständiger extrem viel zu tun hat. Da geht das im Stress ein bisschen unter“, erklärt Harbecke. In seiner Zeit als Vertretungsapotheker habe er zwar schon viel Erfahrung sammeln können, „aber als Inhaber kann man eigene Ideen umsetzen und langfristig planen. Das große Fragezeichen, das einem Respekt verschafft, ist dann, ob das von der Kundschaft auch so angenommen wird.“

Dabei standen praktische Betriebsfragen, Bürokratie und Marketing überhaupt nicht im Mittelpunkt der Veranstaltung. „Es sollte mal nicht um das gehen, womit wir uns jeden Tag herumschlagen. Und viele haben sich auch gefreut, dass es mal nicht um etwas Fachliches ging“, begründet Hermes die Themenauswahl. Vielmehr sei es um Denkanstöße für die Neu-Inhaber gegangen, beispielsweise zu Themen wie Work-Life-Balance. Die droht Inhabern bekanntermaßen oft zu entgleiten, was ihre Bedeutung allerdings nicht verringert. „Man braucht einen Ausgleich, um glücklich zu bleiben. Und wenn ich unzufrieden bin, wirkt sich das auch auf meine Mitarbeiter aus“, so Hermes.

Auch Harbecke fand den inhaltlichen Themenwechsel erfrischend: „Ich war schon bei vielen Veranstaltungen, aber das war etwas anderes. Es war zwar eine Verbandsveranstaltung, aber der Verband stand nicht im Mittelpunkt, sondern die frisch gebackenen Inhaber.“ Ohnehin überwog der optimistische Blick in die Zukunft, erklären Harbecke und Hermes. „Sorgen und Ängste wurden kaum besprochen“, so Hermes. „Alle waren sehr motiviert und wollen sich von Ungewissheiten nicht unterkriegen lassen. Sie sehen das eher als Herausforderung.“

Motiviert zeigt sich auch Hermes selbst. Das Feedback der Teilnehmer sei hervorragend gewesen. „Wir schweben gerade auf Wolke Sieben und überlegen schon, was wir als nächstes machen wollen.“ Dass es mit dem Format weitergeht, sei nach der ersten Veranstaltung ziemlich sicher, vom Verband hätten sie bereits grünes Licht bekommen, demnächst ist das nächste Planungstreffen. Bei der Themenauswahl – die wahrscheinlich im Frühjahr stattfinden wird – sollen die Teilnehmer einbezogen werden. Sie sind aufgerufen, sich zu melden und zu sagen, was sie gern hätten. Ob es schon ein Konzept für die zweite Sitzung gibt, sagt Hermes aber nicht: „Das verraten wir noch nicht.“

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