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Amazon startet Bienenprojekt

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Berlin -

Gerüchte gab es schon länger, jetzt startet Amazon tatsächlich sein großes Bienen-Projekt. Der Konzern will endlich an die großen Honigtöpfe im deutschen Markt. Im ersten Schritt werden im Großraum München Imker gesucht, die sich für Amazon um die Blüten kümmern.

Beim Konzept „Bee Now“ soll der Honig innerhalb von nur zwei Stunden zum Kunden gelangen. Das ist natürlich eine logistische Herausforderung. Doch zum Glück hat der Konzern viele emsige Helferlein: Ganz knapp 20.000 Bienen fliegen aus in Wald und Heide und sammeln, was das Zeug hält. Und das Beste für den Konzern: Sie tun es für ein bisschen Nektar – von wegen mieser Tarifvertrag Logistikbranche.

Für das Pilotprojekt zuständig ist der Amerikaner Michael Smiley. Er konnte sein Glück kaum fassen, als er erfuhr, dass die Bienen auch noch in den Farben des Konzerns ausfliegen. Die Münchener Imker hatten zwar aus aktuellem Anlass keine so große Freude an den „schwarz-gelben Trikots“, aber das Leben ist eben kein Ponyhof. Es ist ein Bienenstock.

Den Honig müssen die Vertragsimker innerhalb von zwei Stunden abliefern. „Da muss man bei der Qualität schon mal eine Wabe zudrücken“, gesteht ein Teilnehmer. Doch der Erfolg gibt den Machern recht: „Der Laden brummt“, muss der Imker zugeben. Außerdem gibt es positive Nebeneffekte: Für die gemeine Honigbiene, eben noch vom Aussterben bedroht, könnte das Projekt die Rettung bedeuten. Das Fachmagazin Focus Honey kürte das Konzept daher zurecht zur „innovativsten Geschäftsidee“ des Jahres.

Während „Bee Now“ schon sehr konkrete Züge angenommen hat, ist noch nicht im Detail klar, was Amazon mit den deutschen Apotheken plant. Dass es eine Koalition mit den Münchener Bienen-Apotheken geben soll, pfeifen aber die Spatzen von den Dächern. Ob man als beteiligter Apotheker dann Innovationstreiber oder Totengräber des Systems ist oder irgendetwas dazwischen, dazu hat jeder seine eigene Meinung.

Die Kooperation Linda will ihre Mitglieder jedenfalls gegen Amazon Prime wappnen: Linda 24/7 ist eine Vorbestellplattform für Apotheken vor Ort. Auch die grün-schillernden Linda-Libellen müssen rasch ausfliegen und liefern, um konkurrenzfähig zu bleiben. Phoenix soll das Gewünschte dazu rechtzeitig in die Apotheken bringen, Triebfeder zur Vermarktung ist das Bonuskonzept Payback, das aufgrund des Sammlergedankens eigentlich auch zu den Bienen passen würde.

Doch bei aller Vernetzung bleibt Apotheke immer auch ein Vor-Ort-Geschäft. Und das nicht nur in Vororten, sondern auch mitten in Zentren. Zum Beispiel im Centro in Oberhausen. Die dortige Alpha-Apotheke hat in ihrer Betaversion einen komplett neuen Weg eingeschlagen. Auf den Inhaber- folgte der komplette Imagewechsel: Von der Discount- zur Wellness-Apotheke. Der Erfolg lügt nicht.

Den Weg von der Discount- zur Automatenapotheke hat DocMorris eingeschlagen. Mit wechselndem Erfolg. Erst hat das Terminal in Hüffenhardt geöffnet, dann hat dummerweise die Aufsichtsbehörde davon Wind bekommen, dass mitnichten nur Arzneimittel gelagert werden. Also Verfügung und zu das Ding. Aber wieder nur kurz: Die sofortige Vollziehung gilt – wohl aus taktischen Erwägungen – nur für die Rx-Ausgabe, sodass die Klage der Versandapotheke bezüglich der OTC-Abgabe aufschiebende Wirkung hat.

Im Moment darf DocMorris also apothekenpflichtige Arzneimittel aus einem Riedl-Kommissionierer auslagern, ohne sich um die Apothekenbetriebsordnung oder das Fremdbesitzverbot scheren zu müssen. Wäre auch ungewohnt. Die Apothekenpflicht wackelt. Kollege Hollstein findet sogar: Jetzt geht es um alles! Und die Noweda stellt einen Prozesskostenfonds für noch unsichtbare weitere Terminals.

Richtige Apotheker müssen sich dagegen mit Fragen herumschlagen, wie sie etwa nicht abgeholte Arzneimittel korrekt abrechnen. Oder mit Ärzten, die im schlimmsten Fall sogar zum Feind werden. Bei den meisten ist das Verhältnis zu den Verordnern aber zum Glück recht gut, auch wenn die offenbar sehr regelmäßig schludern beim Rezeptausstellen.

Ein Apotheker hat dagegen alles richtig gemacht – beim Feuerwehreinsatz. Offenbar nicht alles richtig gemacht hat der Ex-Großhändler Kapferer bei der Retourenabrechnung. Jedenfalls müssen die beiden Ex-Chefs einem Versandapotheker eine hübsche Summe zahlen, damit ein Strafverfahren gegen sie eingestellt wird.

Eine solche Finanzspritze könnten die meisten Apotheker gut gebrauchen. Zwar sind Durchschnittsumsatz und -ertrag nach Zahlen der ABDA auch 2016 gestiegen, das liegt aber auch und vor allem daran, dass es immer weniger Apotheken gibt. Erstmals unter 20.000, das ist mehr als symbolisch. Da wirkt der Vorschlag der SPD, den Apothekern die Gewährung von Boni zu erlauben, fast zynisch. Selbst die Schmalspurvariante würde jede Apotheke 27.000 Euro kosten. Wenn sie sie gewähren würden.

Wenigstens um die Finanzen der ABDA muss man sich wohl vorerst keine Sorgen machen. Die bekommt ihr Mendelssohn-Palais offenbar doch zu einem guten Preis an den Mann. Ein Preis von 30 Millionen Euro plus x klingt besser als zwischenzeitlich erwartet. Lieber zweimal umgezogen, als einmal abgebrannt. Zum Vergleich: Die EMA hat in London noch bis 2039 gemietet.

Und sonst so: Edeka und Budni planen eine gemeinsame Drogerie, dm weicht aus nach Italien. Adil Kachout ist jetzt bei Quiris und ein PTA hat Promis für „Let‘s Dance“ fit gemacht. Bionorica wehrt sich gegen eine allmächtig erscheinende EU-Kommission und die DAK gewährt einer Apotheke eine Retaxation mit Ansage. „Das Rezept schicken wir ihnen nicht zurück.“ Wir schicken Sie jetzt dafür in ein schönes langes Wochenende!

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