Mendelssohn-Palais

Apothekerhaus: 30 Millionen Euro für ABDA

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Berlin -

Der Verkauf des ausrangierten Apothekerhauses in der Berliner Jägerstraße geht in die heiße Phase. Bei der ABDA liegen eine Handvoll interessanter Verkaufsangebote auf dem Tisch. Dem Vernehmen nach sollen die gebotenen Kaufpreise eine „sorgenfreie“ Finanzierung des neuen Apothekerhauses in der Heidestraße ermöglichen. Die Rede ist von einem Betrag von etwas mehr als 30 Millionen Euro.

Die ABDA will zum Stand der Verkaufsverhandlungen keine Stellung beziehen. Nur so viel: „Wir befinden uns im Zeitplan.“ Der im Sommer 2015 beschlossene Verkauf des Mendelssohn-Palais' befindet sich derzeit in Phase 4, nach der Registrierung der Bieter und der Information der Interessenten. In Phase 3 konnten bis zum 23. Dezember 2016 Gebote eingereicht werden.

In der letzten Phase 4 legte sich sie ABDA auf mehrere Bieter fest. Dem Vernehmen nach handelt es sich um eine Handvoll Interessenten. Sie waren von der ABDA nach Klärung von Rückfragen zur Abgabe eines verbindlichen notarielles Kaufangebot aufgefordert worden. Laut Bieterverfahren sollte hierfür mit ausreichend zeitlichem Vorlauf vorab ein Kaufvertragsentwurf vorgelegt werden. Danach sollten die Bieter die Möglichkeit der vertiefenden, gegebenenfalls mehrmaligen Begehung des Gebäudes erhalten sowie vollständige Einsicht in sämtliche Unterlagen bekommen, die die ABDA zum Mendelssohn-Palais besitzt.

Für diese Phase plante die ABDA einen Zeitraum von sechs bis zwölf Wochen ein. Diese Frist ist Ende März abgelaufen. Anders als sonst bei Immobiliengeschäften üblich bietet die ABDA an, die Notarkosten zu übernehmen. Bei einem Kaufpreis von 30 Millionen fielen Notar- und Grundbuchkosten von rund 116.000 Euro an.

Eigentümer und Verkäufer der Immobilie ist offiziell die ABDA-Tochter VGDA. Das mit dem Verkauf betraute Büro Dr. Vogel GmbH tritt nicht als Makler auf. Daher erfolgt der Verkauf provisionsfrei. Mit dem Verkaufserlös will die ABDA ihr neues Apothekerhaus in der Nähe des Berliner Hauptbahnhofs finanzieren. Der Neubau kostet rund 35 Millionen Euro. Der erste Spatenstich erfolgte kürzlich in aller Stille. Der Haus soll 2019 bezugsfertig sein.

Mit der Auswahl des Käufers hatte die ABDA den Berliner Immobilienspezialisten Büro Dr. Vogel beauftragt. Unter www.mendelssohn-palais.de konnten sich Kaufinteressenten über das geschichtsträchtige Gebäude informieren, das in den Jahren von 1891 bis 1893 in der Jägerstraße in unmittelbarer Nähe zum Gendarmenmarkt erbaut wurde.

Mit dem Verkauf setzt die ABDA die Beschlüsse der ABDA-Mitgliederversammlung um. Im Mai 2015 war beschlossen worden, die Geschäftsstelle langfristig in einem neu zu errichtenden Bau in der Heidestraße unterzubringen. Bis zu dessen Fertigstellung sind die Mitarbeiter im angemieteten Bürokomplex Lindencorso in Berlin-Mitte Ecke Unter den Linden/Friedrichstraße untergebracht. Der Um- und Ausbau der Bürofläche an Berlins Touristenmeile „Unter den Linden/Ecke Friedrichstraße“ verschlang 1,45 Millionen Euro.

„Das geräumte Mendelssohn-Palais kann nun nach entsprechender Vorbereitung zu einem günstigen Zeitpunkt an den Markt gebracht werden“, so die ABDA bei der Ausschreibung. Der Berliner Immobilienmarkt boomt seit Jahren. Laut Verkaufsexposé verfügt das ehemalige Mendelssohn Bankhaus über eine Nutzfläche von 3800 m² und bietet je nach Nutzungskonzept Platz für 70 bis 250 Arbeitsplätze.

47 Millionen D-Mark hatte die ABDA seinerzeit für das Objekt bezahlt, das sind umgerechnet rund 24 Millionen Euro. Von einer Maklerprovision in Höhe von rund 1,5 Millionen Mark war später die Rede. In die Bücher genommen wurde das Haus jedenfalls mit knapp 21 Millionen Euro. Nach den üblichen Abschreibungen waren davon Ende 2013 rund 17 Millionen Euro übrig.

Auf einen ähnlichen Betrag kam ein Verkehrswertgutachten, das die ABDA Ende 2010 auf Drängen einiger Mitgliedsorganisationen in Auftrag gegeben hatte, als über den Erwerb des Nachbargrundstücks gesprochen wurde. Vier beziehungsweise sieben Millionen Euro hatte das Objekt also in nur neun Jahren an Wert eingebüßt – eine ungewöhnliche Entwicklung in der Hauptstadt und am Gendarmenmarkt.

Dazu kam, dass die ABDA für Risssanierung und Brandschutzumbau nach eigenen Berechnungen mindestens 11,5 Millionen Euro in das Objekt hätte investieren müssen. Auf 6 Millionen Euro veranschlagte ABDA-Hauptgeschäftsführer Dr. Sebastian Schmitz, der nach dem plötzlichen Abgang von Jürgen Siegemund die Bereiche Finanzen und Personal mit übernommen hatte, die Kosten für Brandschutz und Rettungswege. Dazu kämen 2,5 Millionen Euro, die in die Haustechnik und die technische Gebäudeausrüstung investiert werden müssten.

Wie viel davon tatsächlich investiert wurde, ist nicht bekannt. Die ABDA hatte in den vergangenen Jahren für das Mendelssohn-Palais immer wieder tief in die Tasche greifen und Millionen ausgegeben müssen. Wie sich diese Summen im Verkaufsvertrag wiederfinden und ob der Erlös zumindest ein kleines Plus gebracht hat, ist unklar.

Erbaut wurde das Mendelssohn-Palais für das Bankhaus Mendelssohn & Co. vom Architektenbüro Schmieden & Speer in den Jahren 1891 bis 1893. „Das Gebäude besticht durch sein äußerliche Klarheit und gleichzeitig zurückhaltende neoklassizistische Eleganz. Das Gebäude befand sich damals mitten im Berliner Bankenviertel, einer der Finanzmetropolen des 19. Jahrhunderts“, so die Ausschreibung.

Zunächst diente das Palais als Sitz der Mendelssohn Bank. Zwischenzeitlich nutzte die Deutsche Handelsbank AG das Gebäude. Ab 2002 diente das Mendelssohn-Palais als Sitz der ABDA in Berlin. „Das Mendelssohn-Palais besticht durch einzigartige historische Räumlichkeiten, die in einem außergewöhnlich guten Zustand erhalten sind“, so die ABDA. Einzeln aufgelistet wurden folgende Merkmale: repräsentative Aufgangsbereiche, historische Treppenanlagen, prachtvolle Schalterhalle, Goldzimmer, Reliefs mit Handelsmotiven von Johann Gottfried Schadow, Tresorräume in EG und KG, holzvertäfelte Direktionsräume und pyramidenförmiges Kuppeldach über der Schalterhalle.

Mit der repräsentativen Wirkung des Gebäudes seien verschiedene Nutzungen denkbar, so die ABDA. Die historischen Räumlichkeiten wie die ehemalige lichtdurchflutete Schalterhalle im Zentrum des Gebäudes eigneten sich sowohl für die Repräsentation als auch für kulturelle Nutzungen. Ebenso denkbar seien kreative Nutzungen mit Shared-Workspaces. „Das Mendelssohn-Palais bietet in Verbindung mit einer modernen Einrichtung ebenfalls die Möglichkeit, außergewöhnliche Arbeitsplätze in einer einzigartigen Umgebung zu erschaffen.“

Die weitläufigen Räumlichkeiten im Erdgeschoss ermöglichten eine Vielzahl von Veranstaltungsformaten, „ob festliche Empfänge, kulturelle Veranstaltungen, Ausstellungen oder Konferenzen“. Gleichzeitig böte das Mendelssohn-Palais ausreichend Büroflächen, um als Unternehmenssitz oder Bürogebäude genutzt zu werden. Darüber hinaus existierten eine Vielzahl an Konferenzräumen, die sich für Besprechungen in einem außergewöhnlichen Ambiente anbieten.

Das Mendelssohn-Palais berge viele Potenziale, „sowohl bei den Nutzungsmöglichkeiten als auch für ein langfristiges Immobilieninvestment“. Die rückseitig gelegenen Räumlichkeiten ließen sich an den individuellen Bedarf anpassen. Denkbar seien sowohl Großraumbüros als auch – wie im aktuellen Zustand – Einzel- beziehungsweise kleinere Mehrpersonenbüros.

Das Mendelssohn-Palais stehe für eine Symbiose aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Als Nutzung denkt die ABDA an Botschaften, Stiftungs- oder Verbandssitze, Unternehmenssitze oder -repräsentanzen, Bürogebäude, Museum oder Galerie oder als Coworking-Space (Mietbüro). Über die Kaufinteressenten wurde bislang nichts bekannt.

Das neue Apothekerhaus entsteht in der „Europacity“ an der Berliner Heidestraße. Bauherr ist die österreichische Immobiliengesellschaft CA Immo. Der Baustart für das rund 9500 m² Bruttogrundfläche große Gebäude erfolgte kürzlich. Eigentlich wollte CA Immo alle neuen Gebäude in der Europacity vermieten. Doch der Vertrag mit der ABDA sieht vor, dass die Apotheker nur zwei Jahre mieten müssen und zwei Drittel des Hauses mit rund 6400 m² Fläche anschließend als Eigentum übernehmen, den Rest wird CA Immo selbst vermieten.

Der Bauherr beschreibt sein Projekt so: „Besonderheiten des Apotheker-Hauses sind der circa 300 m² große Plenarsaal sowie das oberste Geschoss mit den großen Konferenzflächen und angrenzenden Dachterrassen.“ Auf den restlichen Flächen des Gebäudes wird CA Immo auch kleinere Mietflächen ab 100 m² anbieten. In diesem Segment gebe es bisher in der Europacity kein entsprechendes Flächenangebot.

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