Linda 24/7 gegen Amazon Prime | APOTHEKE ADHOC
Apothekenkooperationen

Linda 24/7 gegen Amazon Prime

, Uhr
Berlin -

Die Apothekenkooperation Linda geht mit einem neuen Konzept an den Start: „Linda 24/7“ soll ein neuartiges Vorbestell- und Lieferkonzept werden, das weit über einen Webshop hinausreicht. Mit „voller Wucht“ will die Geschäftsstelle in Köln den Markt erobern; als Partner sind bei dem Projekt Phoenix, ADG und Payback an Bord. Parallel bekommen die MVDA-Mitglieder Zugriff auf Leistungen, die bisher Linda-Apotheken vorbehalten waren.

Linda 24/7 ist ein auf Vorbestellung und Abholung („Click & Collect“) ausgerichtetes Konzept. Dadurch sollen doppelte Wege vermieden werden, bei einfachem und bequemem Kontakt zur Lieblingsapotheke. Wer will, kann sich die Ware auch nach Hause liefern lassen. Aber: „Linda 24/7 ist kein Versandmodell, sondern eine ‚digitale Filiale‘ der Apotheke“, so eine Linda-Sprecherin.

Zum früheren Konzept Orderlinda gibt es einen entscheidenden Unterschied: Wer Ware bei seiner Apotheke vor Ort bestellt, kann diese innerhalb eines bestimmten Zeitkorridors abholen. Die schnelle Verfügbarkeit stellt Phoenix sicher; wie kurz das Zeitfenster zwischen Bestellung und Abholung ausfallen wird, wollte die Sprecherin noch nicht verraten. Ein einheitlicher Standard sei aber im Sinne des Marketings geplant.

Dass das Angebot der Apotheken gefunden wird, garantiert die Kooperation mit Payback. „Reichweite und Frequenz sind in der digitalen Welt wichtig“, so die Linda-Sprecherin. „Das kann die einzelne Apotheke mit ihrer Homepage nicht leisten.“ Linda will daher die Website sowie die Vermarktungsinstrumente von Payback nutzen, um möglichst viele Kunden auf das eigene Angebot aufmerksam zu machen. „Payback macht schon heute extrem viel in den Bereichen Digitales und Mobile. Das können wir nutzen.“ Auch auf der Linda-Website soll das neue Angebot zu finden sein.

Die Umsetzung ist auch deshalb nicht trivial, weil der Kunde immer über die einzelne Apotheke gehen muss. „Als Kooperation können wir aus kartellrechtlichen Gründen keinen Einfluss auf die Preisstrategien der Apotheken nehmen.“ Umso wichtiger sei eine saubere Kommunikation mit der Warenwirtschaft. Hier hat das Softwarehaus ADG gemeinsam mit Experte aus dem Bereich E-Commerce die Federführung übernommen, allerdings soll das Angebot unabhängig von den EDV-Systemen allen Linda-Apotheken zugänglich sein.

In Köln hofft man, dass möglichst viele Mitglieder bei Linda 24/7 mitmachen. Wichtig sei ein flächendeckender Ansatz, darum habe man sich auch gegen eine eigene Marke für das Konzept entschieden. Ziel sei es, „mit Wucht“ in den Markt einzusteigen. Allerdings soll es verschiedene Module geben, die auch erst sukzessive an den Start gebracht werden.

Dass das neue Prime-Format rechtzeitig zum Einstieg von Amazon kommt, will man in Köln nicht überbewerten. Immerhin habe man schon länger an dem Konzept gearbeitet. Auf dem Delegiertenkongress im Kempinski-Hotel in Neu-Isenburg bei Frankfurt wurde das neue System erstmals einer größeren Öffentlichkeit vorgestellt. Auch die Industriepartner wurden bereits eingeweiht, da sie den neuen Kanal für Vertriebs- und Vermarktungsmöglichkeiten nutzen sollen. Im Sommer soll die Pilotphase beginnen, auf der Expopharm will Linda dann die Details präsentieren. Bei einer Roadshow sollen auch die Mitglieder informiert werden.

Parallel soll ein Teil des Leistungsportfolios von Linda auch MVDA-Apothekern zugänglich gemacht werden. Hier geht es laut Sprecherin darum, die Vorteile der Mitgliedschaft stärker spürbar zu machen. Außerdem soll den Mitgliedern eine Brücke zum Dachmarkenkonzept gebaut werden, das deutlich über den Einkauf hinausreicht und mit dem gemeinsamen Außenauftritt weitaus schlagkräftiger ist.

Um Flächendeckung geht es möglicherweise auch: Von den 3500 MVDA-Apotheken sind nur 1100 bei Linda – je breiter die Basis, umso bessere Konditionen lassen sich in vielen Bereichen aushandeln. Welche Leistungen den MVDA-Mitgliedern angeboten werden, zu welchen Preisen und in welchen Variationen, wird nun erarbeitet. Denkbar sind Platzierungsempfehlungen oder Vorteilstarife bei Dienstleistungspartnern, aber auch Unterstützung bei der lokalen Vermarktung. Nicht dabei sein soll dagegen Payback.

Nicht weniger als der MVDA 4.0 schwebt dem Präsidium um Gabriela Hame-Fischer vor. Was derzeit der Apothekenbranche drohe, so heißt es im aktuellen Cheftelegramm, lasse sich bestenfalls mit dem chinesischen Fluch beschreiben: „Möget ihr in interessanten Zeiten leben!“ Dieser werde man sich annehmen, so das Versprechen.

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