TI-Anschluss: Wettbewerb auf Kosten der Apotheken?

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Schneller und eindeutiger ist die Frage nach den Zusatzgebühren für einen Fremdanschluss bei ADG beantwortet. „Die Anbindung der TI Dritter wird nicht unterstützt, folglich gibt es diesbezüglich kein Preismodell“, teilt die Phoenix-Tochter auf Anfrage mit. Wer ein ADG-Warenwirtschaftssystem hat, dem bleibt demnach keine Wahl, als auch dort den Konnektor zu kaufen. Das Unternehmen begründet das mit Sicherheitsbedenken: Die ADG kläre ihre Kunden in Gesprächen darüber auf, dass hinsichtlich des Konnektors die Fragen des Datenschutzes, der Verantwortlichkeiten und der Haftung bei Störungen wesentlich sind. Die Mitarbeiter seien stets für die Vor-Ort-Apotheken da, aber: „Wir können nur unterstützen, wenn sich technische Probleme in unserem Verantwortungsbereich ereignen. Daher empfehlen wir unseren Kunden, unnötige Risiken zu umgehen, indem sie sich im sicheren Umfeld der ADG Infrastruktur bewegen.“

Mit der Sicherheit argumentiert auch Pharmatechnik, betont aber, grundsätzlich alle Gematik-zertifizierten Konnektoren anzubinden. „Durch Anbindung einer TI-Lösung, die nicht von Pharmatechnik kommt, entsteht ein Mehraufwand, den es zu bewerten gilt“, so das Unternehmen. „Wir können heute noch nicht sagen, wie hoch diese Kosten sein werden, wir haben Kalkulationen und Abschätzungen erstellt, jedoch liegt uns noch kein bestätigtes Preismodell vor.“ Allerdings: Bereits im Mai hat das Unternehmen eine Preisaufstellung samt jener Gebühren für den Fremdanschluss an eine Apothekenkooperation mit mehr als hundert Mitgliedern versandt. Aus der Preistabelle geht hervor, dass Pharmatechnik mindestens zu dieser Zeit 990 Euro für den einmaligen Fremdanschluss sowie daraufhin 49 Euro im Monat für die „Integrationsschnittstelle Fremd-TI“ veranschlagt hat – unabhängig davon, ob es sich bei dem Fremdkonnektor um ein klassisches TI-Anschlussmodell handelt oder einen im Rechenzentrum gehosteten Konnektor.

Ähnliche Preise kolportieren auch Apotheker, die CGM-Kunden sind. Doch CGM äußert sich auf Anfrage nicht zu konkreten Preismodellen und Mehraufwand, sondern verweist ausschließlich auf die kürzlich getätigten Aussagen von TI-Vertriebschef René Dunkel. Damit seien aus Sicht von CGM alle Fragen zum Thema beantwortet worden. Er könne als Vertriebsleiter für die Telematikinfrastruktur nicht genau sagen, wie die CGM-Tochtergesellschaft CGM Lauer den Preis für den Anschluss kalkuliert hat, erklärte er Ende Juli. „Weitere Konnektoren oder Angebote haben bisher keine Zulassung, sodass man sich mit der Frage auch noch gar nicht so intensiv beschäftigen kann als Lauer Fischer“, so Dunkel. „Aber es ist natürlich dann auch gegeben, dass man im Support, bei den Technikern, weiteres Know-how aufbauen muss. Konnektorenoberflächen unterscheiden sich, die Konstellationen unterscheiden sich und ich kann mir vorstellen, dass darüber der höhere Preis gerechtfertigt ist.“

Kemmritz – die als Inhaberin der Falken-Apotheke in Berlin-Weißensee auch selbst vor der Entscheidung steht – zeigt sich demgegenüber skeptisch, was die Rechtfertigungen für den Kostenaufwand angeht. „Es kann und darf jedenfalls nicht sein, dass die Apothekerinnen und Apotheker bei der Anbindung an die TI draufzahlen, weil beispielsweise der Anschluss externer Konnektoren durch den einen oder anderen Warenwirtschaftsanbieter mit einer nicht nachvollziehbar hohen Gebühr veranschlagt wird“, sagt sie und verweist auf mögliche zusätzliche Probleme mit den laufenden Fristen: „Diese Gebühr könnte sonst mit ursächlich dafür sein, dass einige Apotheken sich nicht an die TI anbinden können, weil sie die geforderten Anschlussgebühren nicht bezahlen können und wollen, da sie sie letztendlich auch nicht in voller Höhe über die Refinanzierungsvereinbarung erstattet bekämen, wenn die Gesamtförderungssumme bereits ausgeschöpft ist.“

 

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