HIV-Selbsttests: Das sind die Anbieter | APOTHEKE ADHOC
Diagnostika

HIV-Selbsttests: Das sind die Anbieter

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Berlin -

Ab Oktober werden in den Apotheken die ersten HIV-Selbsttests in den Regalen liegen. Auch wenn die Diagnostika laut Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) nicht apothekenpflichtig werden sollen, wird die Offizin ein zentraler Anlaufpunkt für Betroffene sein. Drei Produkte mit CE-Kennung werden von der Deutschen Aids-Hilfe empfohlen. Die ersten in Deutschland verfügbaren Tests kommen aus dem Hause Condomi sowie von Ratiopharm.

Am Freitag entscheidet der Bundesrat über eine Änderung der Medizinprodukte-Abgabeverordnung. Damit soll die Abgabe von HIV-Selbsttests erlaubt werden. Bislang dürfen die Heimtests in Deutschland nur an Ärzte, medizinische Laboratorien und bestimmte weitere Einrichtungen, Behörden und Unternehmen abgegeben werden. Kunden mussten die Medizinprodukte bislang über das Ausland bestellen.

Apotheken können bereits Heimtests zur Erkennung einer HIV-Infektion vorbestellen. Ein Anbieter ist der französische Hersteller Biosynex aus Straßburg. Dessen Produkt Exacto wurde im April in der EU zugelassen und wird exklusiv über die Firma Ecoaction in Deutschland und Österreich angeboten. Den Apothekenvertrieb hat OTC Siebenhandl übernommen. Zudem liegen die Medizinprodukte auch bei anderen Organisationen wie Drogenhilfen, ProFamilia oder Erotikhändlern im Regal.

Hinter Ecoaction steht Oliver Gothe. Der Gründer der Marke Condomi ist seit 25 Jahren in der Aidshilfe aktiv. „Bei freiverkäuflichen Selbsttests sind qualitativ gut aufbereitete Informationen für den Konsumenten sehr wichtig“, sagt er. Die Anwendung von Exacto sei verlässlich und einfach. Im Gegensatz zu anderen HIV-Heimtests gebe es kein Röhrchen für das Blut. Für die Prüfung genüge ein Blutabstrich.

Der Hersteller empfiehlt einen Verkaufspreis von knapp 24 Euro. „Ein Wunsch der Aidshilfen war, dass die Tests erschwinglich sind“, so Gothe. Er geht davon aus, dass die Produkte in etwa 2000 Apotheken angeboten werden. Apotheken können sich in Schulungen informieren, erhalten Broschüren für Kunden und Plakate für die Offizin. Das Testergebnis soll nach zehn Minuten vorliegen und zu 99,9 Prozent sicher sein. Damit sei Kritik an den Medizinprodukten „komplett ausgeräumt“, so Gothe.

Ein weiterer Hersteller ist die französische Firma AAZ, die 1998 von Dr. Joseph Coulloc'h gegründet wurde und in Boulogne-Billancourt bei Paris sitzt. Seit Ende 2016 wird der „Autotest VIH“ über einen Online-Shop vertrieben. Das Ergebnis soll nach 15 Minuten vorliegen.

Dem Vernehmen nach soll Ratiopharm den Apothekenvertrieb in Deutschland übernehmen. Der Konzern wollte sich vor Freitag nicht zu dem Thema äußern. Im Vorfeld hatte sich das Team aus Ulm aber bereits bei HIV-Schwerpunktapothekern über die Tests erkundigt.

Der dritte von der Aids-Hilfe empfohlene Test stammt vom kanadischen Hersteller BioLytical Laboratories. Das Medizinprodukt „Insti“ wird derzeit über niederländische Apotheken vertrieben. Die 2002 gegründete Firma hat auch Ebola- und Hepatitis C-Schnelltests in der Pipeline. Laut Aids-Hilfe ist das Produkt zwar nicht so einfach anzuwenden wie die französischen Alternativen, aber ebenfalls zuverlässig und zudem sehr schnell. „Das Ergebnis liegt bereits nach einer Minute vor. Die französischen Tests brauchen 15 Minuten.“

Zurzeit leben in Deutschland nach Schätzungen des Robert-Koch Instituts rund 12.700 Menschen unwissentlich mit HIV. Von den 3700 Diagnosen in 2016 erfolgten laut Aids-Hilfe 1100 erst, als bereits eine Aids-Erkrankung oder ein schwerer Immundefekt aufgetreten war. Das sei viel zu spät.

HIV-Selbsttests: Was heißt das für den HV? Wie bereitet ihr euch vor? Wisst ihr, wie die Tests funktionieren? Wie geht ihr mit Kunden um, die nach positivem Ergebnis verunsichert in der Apotheke stehen? Habt ihr Angst vor heiklen Gesprächen? Diskutiert mit euren Kollegen im LABOR von APOTHEKE ADHOC!

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