Der Dividenden-Poker der Apobank

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Berlin -

Die Deutsche Apotheker- und Ärztebank (Apobank) steckt in der Krise. Die Probleme nach der kostspieligen IT-Umstellung an Pfingsten sind noch immer nicht vollends behoben, ein Vorstand ist weg und der Großhändler Phoenix will gegenüber der Bank entgangenes Skonto einfordern. Dass man in Düsseldorf trotzdem eine Dividende ausschütten will, sorgt nicht nur für Kopfschütteln bei anderen Banken, sondern könnte der Genossenschaftsbank auch neuen Ärger einhandeln.

Die Europäische Zentralbank (EZB) veröffentlichte am 27. März die Empfehlung, dass Banken während der Covid-19-Pandemie keine Dividenden ausschütten oder Aktien zurückkaufen sollen. Die Empfehlung bezog sich auf Dividenden für 2019 und 2020 und gilt mindestens bis 1. Oktober.

Die deutsche Bankenaufsicht (BaFin) erläuterte zur selben Zeit die veränderten aufsichtsrechtlichen Anforderungen in der Corona-Krise. In der Mitteilung heißt es unter anderem: „Die Finanzaufsicht hat eine Vielzahl von Maßnahmen erlassen, mit deren Hilfe Spielräume zur Kreditvergabe und gegebenenfalls Verlustabsorption erhöht werden. Vor diesem Hintergrund und angesichts einer hohen Ungewissheit über die weiteren Entwicklungen empfiehlt die BaFin, von Aktienrückkäufen Abstand zu nehmen sowie Ausschüttungen von Dividenden, Gewinnen und Boni sorgfältig abzuwägen.“ BaFin-Präsident Felix Hufeld mahnte: „Wir raten Finanzinstituten, mit vorhandenen Kapitalressourcen sehr sorgfältig umzugehen.“

Und die Apobank? Am 6. Mai – also mitten in der Corona-Krise – beschloss die Vertreterversammlung eine Absenkung der Dividende. Statt wie in den vergangenen Jahren üblich 4 Prozent, sollen nur 2 Prozent an die Anteilseigner ausgeschüttet werden. Man habe sich im Vorfeld intensiv mit der Empfehlung der EZB auseinandergesetzt, hieß es aus Düsseldorf. „Der Vorstand hat diese Empfehlung mit den Gremien der Bank als auch der Bankenaufsicht und dem Wirtschaftsprüfer intensiv erörtert.“ Die Dividende soll frühestens zum 1. Oktober ausgeschüttet werden, „es sei denn, die Auszahlung ist zu diesem Zeitpunkt aus Sicht des Vorstands wirtschaftlich oder aus sonstigen Gründen (z. B. aufsichtsrechtliche Vorgaben) nicht vertretbar oder zulässig“.

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