BfArM-Cannabis: Dieses Jahr keine Ernte

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Auch Aphria bestätigt die Verzögerung und kann wie die beiden Mitbewerber noch keinen neuen Liefertermin bekanntgeben. Es sei jedoch geplant, noch im ersten Quartal 2021 zu liefern. Die Aphria-Anlage entsteht derzeit in der Nähe von Neumünster und soll eigentlich bis November fertig sein – auch hier stellt sich jedoch die Frage, ob die Behörden fristgerecht ihre Genehmigungen ausstellen können. Aphria plant, die ersten Setzlinge aus Kanada zu importieren.

Für den deutschen Cannabismarkt dürfte sich damit vorerst nicht viel ändern, die komplette Importabhängigkeit bleibt bestehen. Allerdings erscheint vor dem Hintergrund des Ausfalls der mutmaßlich bereits eingeplanten Menge an heimischem Cannabis nachvollziehbarer als bisher, warum das BfArM dieses Jahr Cannabisimporte in Rekordmenge nachbeantragen musste. 16,1 Tonnen Cannabis hatte die Behörde vergangenes Jahr beim „Internationalen Suchtstoff-Kontrollamt der Vereinten Nationen“ (International Narcotics Control Board, INCB) zum Import beantragt und musste dieses Jahr im Rahmen einer Nachschätzung während des jeweils laufenden Kalenderjahres den Import von fast 12,4 weiteren Tonnen beantragt – es werden also über 75 Prozent mehr benötigt, als vergangenes Jahr geschätzt wurde.

Zumindest für die zahlreichen kleineren Cannabis-Großhändler in Deutschland könnte die Verzögerung beim heimischen Anbau auch eine Verschnaufpause bedeuten. Denn zwar ist die geplante Menge von 2,6 Tonnen im Jahr aus heimischer Produktion nur ein Bruchteil des realen Bedarfs in Deutschland. Trotzdem ist aus Branchenkreisen zu vernehmen, dass viele mit einer leichten Abnahme der Cannabispreise rechnen, sobald auch aus deutscher Produktion geliefert wird. Das dürfte den kleineren Vertriebsunternehmen auf die ohnehin schon geringen Erträge drücken. Chance, von dem deutschen Cannabis etwas abzubekommen, haben sie indes nicht. Den Zuschlag in der Vertriebsausschreibung hat das BfArM nämlich an Cansativa vergeben.

 

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