Produzent wird Großhändler

Demecan startet Cannabis-Onlineshop für Apotheken

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Berlin -

Demecan hat einen Onlineshop für den Direktvertrieb an Apotheken eröffnet. Zwar ist das Berliner Start-up das einzige deutsche Unternehmen, das hierzulande medizinisches Cannabis anbauen darf, doch es hat sich parallel dazu ein zweites Standbein als Großhändler aufgebaut. Über den Onlineshop will es die Blüten nun direkt in die Apotheken bringen. Doch auch damit soll noch nicht Schluss sein.

Um Demecan war es bisher eher ruhig. Dabei wird dem Cannabis-Start-up eine große Zukunft prophezeit: Neben den kanadischen Konzernen Aphria und Aurora ist das Berliner Start-up das einzige deutsche Unternehmen, das im Auftrag des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hierzulande medizinisches Cannabis anbauen darf. 2,4 Tonnen will Demecan im sächsischen Ebersberg produzieren und hat mit der Bundesopiumagentur auch schon einen festen Abnehmer. „Aktuell schreitet der Bau der Betriebsstätte in der Nähe von Dresden parallel zum Vertriebsgeschäft voran“, teilt das Unternehmen auf Anfrage mit. Voraussichtlich Ende des Jahres werde die erste Ernte eingeholt.

Wer die Blüten vertreibt, steht noch nicht fest. Die BfArM-Ausschreibung für einen Großhändler läuft noch. Was aber schon feststeht: Die 10,4 Tonnen, die Demecan, Aphria und Aurora anbauen, werden bei Weitem nicht reichen, um den deutschen Markt abzudecken. Wie seine beiden Mitbewerber hofft deshalb auch Demecan darauf, dass die Menge künftig angehoben und damit näher an den realen Bedarf gebracht wird. „Wenn der politische Wille dafür besteht, die Bedarfsmenge zu erhöhen, steht Demecan bereit, um auch erheblich mehr medizinisches Cannabis zu produzieren und somit Deutschland unabhängiger von Importen zu machen sowie Arbeitsplätze zu sichern“, so das Unternehmen.

Die Produktion war schließlich der Zweck, zu dem Demecan gegründet wurde. 2017 taten sich drei Studienfreunde – der Arzt Dr. Adrian Fischer, der Jurist Dr. Constantin von der Groeben und der Ökonom Dr. Cornelius Maurer – in Berlin zusammen, gründeten Demecan und bewarben sich bei der BfArM-Ausschreibung für den Cannabis-Anbau. Doch die kam nicht so recht ins Laufen. Ende März 2018 hatte das Oberlandesgericht Düsseldorf das Vergabeverfahren gestoppt, weil das BfArM die Frist zu kurz bemessen hatte. Vier Monate später setzte die Behörde eine Ausschreibung auf, diesmal mit erhöhter Menge: 10,4 Tonnen verteilt auf 13 Lose. Im April 2019 wurden die ersten zehn Lose vergeben, sie gingen an Aphria und Aurora. Wegen der Beschwerde eines unterlegenen Bieters konnte für die restlichen drei Lose aber noch kein Zuschlag erteilt werden. Demecan hing weiter in der Luft.

Also wandte sich das Triumvirat zwischenzeitlich einem zweiten Standbein zu: dem Cannabis-Großhandel. Anfang des Jahres gaben ein Liefervertrag mit dem australischen Produzenten Little Green Pharma und die Zulassung für den Vertrieb von Bedrocan-Ware aus den Niederlanden den Startschuss. Seit Februar hat Demecan die dafür notwendige AmRadV-Zulassung, also eine Genehmigung gemäß der Verordnung über radioaktive oder mit ionisierenden Strahlen behandelte Arzneimittel, die die deutschen Großhändler beantragen mussten, nachdem sie und die Aufsichtsbehörden deren Notwendigkeit jahrelang übersehen hatten. Im Mai kam dann schließlich die Importzulassung vom BfArM. Ein Wermutstropfen dabei: An der Quelle Bedrocan sitzt Demecan nicht allein, sondern muss sich eine gleichbleibende Liefermenge mit einer wachsenden Zahl deutscher Großhändler teilen. Ein anderer: Als würde das nicht reichen, informierte Bedrocan seine Kunden im Juni, Lieferprobleme zu haben und mindestens anderthalb Monate auszufallen.

Parallel zum Aufbau des Großhandels konnte das Start-up einiges an Geld einsammeln – die durch die Bundesopiumagentur zugesicherten Abnahmemengen machen es zu einem relativ sicheren Investment. Ende 2019 konnten Fischer, Maurer und von der Groeben in einer Series-A-Finanzierungsrunde 7 Millionen Euro einsammeln, die zu gleichen Teilen von der Risikokapitalgesellschaft Btov Partners und der privaten Investmentgesellschaft von Krombacher-Chef Bernhard Schadeberg kamen. Ein weiterer Millionenbetrag kam erst im Mai dazu. Wie viel genau und von wem das Geld kommt, gab Demecan diesmal nicht bekannt.

Zwischenzeitlich war auch die BfArM-Ausschreibung beendet worden und die verbliebenen drei Lose an Demecan gegangen. Damit sind die Berliner nun das einzige deutsche Unternehmen, das die gesamte Cannabis-Wertschöpfungskette vom Anbau über die Weiterverarbeitung und Lagerung bis zum bundesweiten Apothekenvertrieb aus einer Hand abdecken kann. Über den neuen Onlineshop soll der Vertrieb in die Apotheken nun an Fahrt aufnehmen.

„Unser Ziel ist es, dieser Nachfrage gerecht zu werden. Daher freuen wir uns, dass wir nun unseren Onlineshop für eine schnelle und sichere Distribution hochwertiger Pharmaprodukte für Apotheker*innen bereitstellen können“, erklärt Maurer. Der Shop solle Apothekern die Möglichkeit bieten in einem benutzerfreundlichen Umfeld Produkte schnell und einfach zu ordern und unmittelbar die Verfügbarkeit einzusehen. Außerdem sollen Kunden neben dem aktuellen Preis pro Gramm fachgerechte Informationen zu den Produkten wie etwa den THC- und CBD-Gehalt, den Verfalldatum und der PZN inklusive Freigabezertifikat zum Download erhalten.

Zugänglich ist der Onlineshop über den DocCheck-Login für Fachpersonal. Apotheker, die bei dem Netzwerk für Mitarbeiter des Medizinsektors mit ihrer Approbationsurkunde registriert sind, können die Produkte und Produktinformationen im Shop direkt einsehen. Eine Registrierung ist erst bei der ersten Bestellung notwendig, unter Angabe des Apothekennamens und der BtM-Nummer sowie der Vorlage entsprechender Nachweise.

Mit Anbau und Handel von Cannabisblüten soll aber noch nicht Schluss sein. Fischer kündigte kürzlich an, nicht nur in die Forschungsarbeit zum Pflanzenanbau investieren zu wollen, sondern bald auch im Bereich Öle und Extrakte tätig zu werden. Platz ist dafür noch auf dem deutschen Markt für medizinisches Cannabis. Er ist der drittgrößte der Welt und Demecan geht nach eigenen Angaben davon aus, dass er bis 2024 ein Volumen von 1,2 Milliarden Euro erreicht. Von dem Kuchen wollen sich die drei Gründer ein möglichst großes Stück sichern.

 

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