Cannabis-Engpässe: Wichtigster Lieferant fällt aus

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Berlin -

Deutschen Apotheken stehen erneut Lieferengpässe bei medizinischem Cannabis bevor. Vor allem Apotheken, die sich nicht auf medizinisches Cannabis spezialisiert haben, könnten in den kommenden Wochen große Schwierigkeiten kriegen, Ware zu bekommen. Denn mit Bedrocan ist derzeit der wichtigste Lieferant für den deutschen Markt ausgefallen. Voraussichtlich mindestens anderthalb Monate wird aus den Niederlanden nichts mehr kommen. Das ist vor allem für die vielen kleineren Großhändler ein erhebliches Problem.

Das Niederländische Cannabisbüro hat nichts mehr auf Lager. Das teilte es Ende vergangener Woche seinen Kunden, den deutschen Großhändlern, in einer E-Mail mit, die APOTHEKE ADHOC vorliegt. „Aufgrund zusätzlich benötigter Tests, die benötigt werden, um die Chargen für den Export freizugeben, haben wir derzeit keine Ware am Lager“, heißt es darin. Man hoffe, das Problem in den nächsten beiden Wochen lösen zu können. „Das heißt, dass wir in den kommenden Wochen nicht in der Lage sein werden, Ware zu verschicken. Es wird voraussichtlich zwei bis sechs Wochen dauern, bis wir das wieder tun können.“ Anscheinend ist bei den Analysen der Ware ein Fehler unterlaufen. Laut Cannabisbüro waren sie unvollständig und müssen deshalb vollständig von vorn durchgeführt werden. Betroffen ist davon bereits die Juni-Lieferung.

Das Niederländische Cannabisbüro kauft seit 2003 die Ware des Herstellers Bedrocan auf, lässt sie bestrahlen und analysieren, um sie dann zu exportieren. Deutschland macht dabei rund drei Viertel des europäischen Marktes aus. Umgekehrt ist die Abhängigkeit etwas geringer, aber immer noch sehr hoch: Von den rund 6500 Kilogramm medizinischen Cannabis, die 2019 nach Deutschland importiert wurden, entfielen 2500 allein auf Bedrocan, also knapp 40 Prozent. Die fallen nun mindestens diesen Monat weg – wenn nicht noch länger.

„Wir gehen aktuell davon aus, dass Bedrocan Produkte für circa 8 Wochen nicht auf dem deutschen Markt verfügbar sein werden“, sagt David Henn, Geschäftsführer des Importeurs Cannamedical. Er gibt sich gelassen und verweist auf andere Bezugsquellen seines Unternehmens. „Tatsächlich ist bereits in den letzten Monaten eine stetig steigende Zahl an Patienten auf das beständig verfügbare Cannamedical Hybrid, einer Sativa-reichen Sorte mit vergleichbarem Profil, gewechselt – und berichten sogar von besseren Therapie-Erfolgen als mit dem ursprünglichen Präparat.“

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