Zögerlicher Bestellstart

Impf-Apotheken wollen klein anfangen

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Berlin -

Mit der Covid-19-Impfung kommt eine neue Dienstleistung in die Apotheken. Gestern konnten die Betriebe erstmals Impfstoff bestellen. Der Start ist verhalten, was unter anderem an der immer noch unklaren Abrechnung und der hohen Auslastung liegen könnte. Inhaber:innen sind zögerlich, bestellen vielerorts zunächst kleine Mengen oder warten gänzlich ab. Bei den Großhändlern meldete sich nur ein Bruchteil der Apotheken mit Aufträgen.

Bis 18 Uhr konnten Apotheken gestern erstmals Covid-19-Impfstoffe für den eigenen Gebrauch bei ihren Großhändlern anfordern. Manche Inhaber:innen erwarteten den Start der Impfkampagne sehnsüchtig. Von Anfang an mit dabei ist Jens Rath. Der Inhaber der Friesen-Apotheke in Kiel bestellte vier Vials Comirnaty. „Ich habe Zweifel daran, dass ich Moderna verbrauchen werde, und möchte nichts wegwerfen.“

Lieber Comirnaty als Moderna

Zwölf Impfdosen von Biontech seien bereits verplant. Zwei Vials will Rath für Folgetermine aufbewahren. Der Apotheker wird die Impfung zunächst selbst während des laufenden Betriebs durchführen. Dafür wandelt er gerade die Schulungsräume in der Nähe der Apotheke in eine Impfstelle um. Vor einem Jahr begann er, in den Räumen auch Antigen-Schnelltests anzubieten. „Wir fangen während der Öffnungszeiten an, weil ich nicht glaube, dass die Nachfrage hoch sein wird“, sagt Rath. Kund:innen müssten jedoch vorab einen Termin ausmachen, um eine Covid-19-Impfung zu erhalten. Perspektivisch sei es denkbar, dass es eine offene Impfaktion geben werde.

Auch Martin Regensburger junior will erst einmal langsam mit Covid-19-Impfungen beginnen. Der Mitinhaber der Gabrieli-Apotheke im bayerischen Eichstätt bestellte jeweils ein Vial Comirnaty und Spikevax. „Wir möchten uns erst mal an die Abläufe gewöhnen“, sagt er. In Bayern haben rund 100 Apotheken die Bestätigung ihrer Selbstauskunft durch die Kammer erhalten und durften bestellen.

Insgesamt waren die Bestellungen bei den Großhändlern gestern eher verhalten: Die Noweda wird in der kommenden Woche rund 200 Apotheken beliefern. Bestellt wurden insgesamt rund 1000 Vials, davon rund 800 Comirnaty von Biontech und rund 200 Spikevax von Moderna. Aus einer anderen Großhandlung heißt es, dass „enttäuschend wenig“ Apotheken Impfstoff bestellt hätten.

Die Gründe für den verhaltenen Start dürften vielfältig sein. Denn obwohl bereits im Dezember klar war, dass Apotheken gegen Corona impfen sollen, war der Prozess mit viel Unsicherheit verbunden. Auch die Abda bremste früh die Erwartungen der Apotheker:innen, schnell mit Impfungen starten zu können. Schulungen wurden spät angeboten, weil das Mustercurriculum nicht fristgerecht fertiggestellt war. Zudem ist noch immer nicht klar, wie genau die Impfstoffe abgerechnet oder die Daten an das Robert Koch-Institut (RKI) gemeldet werden.

Dazu kommen der Fachkräftemangel und die ohnehin hohe Arbeitsbelastung der Angestellten durch neue Angebote wie das Erstellen der digitalen Impfzertifikate oder Bürgertests. Viele Inhaber:innen zögern deshalb, Covid-19-Impfungen anzubieten. Weil sich der Prozess so lange hinauszögerte, schlossen sich viele Apotheken mit Ärzt:innen zusammen und organisierten Impfaktionen. Gerade in den vergangenen Wochen und vor Weihnachten war es vielen Pharmazeut:innen wichtig, die erhöhte Nachfrage wegen der Boosterimpfungen in ihrer Region zu bedienen.

Nachfrage in Apotheken wird steigen

Das aktuelle Abflauen der Impfbereitschaft und die vorhandene Struktur an bestehenden Impfmöglichkeiten waren auch für Rath ein Grund, weshalb er zunächst wenig Impfstoff bestellt hat. „Man wird hier nicht überrannt, die Bereitschaft ebbt gerade ab und es gibt viele freie Termine im Impfzentrum“, sagt er. Allerdings erwartet er, dass die Nachfrage spätestens mit der Einführung einer Impfpflicht und dem Angebot einer neuen Omikron-Formulierung wieder steigen wird. Dann könnten Apotheken profitieren, die bereits jetzt Erfahrungen beim Impfen sammeln.

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