Gelebte Solidarität in Apotheken

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Berlin - Durch die Corona-Krise hat sich im Alltag von jedem Einzelnen einiges verändert: Die Maske gehört zu uns wie Schlüssel und Portemonnaie, zur Begrüßung wird sich nur zugenickt und auch das Desinfektionsmittel ist ein ständiger Begleiter. In den vergangenen Monaten hat dadurch auch das Thema Solidarität immer mehr an Bedeutung gewonnen. Einige Beispiele für Aktionen rund um Apotheke, Industrie und Handel finden Sie in der Galerie. So spendierte beispielsweise der Hersteller Pohl-Boskamp Plexiglasscheiben für Apotheken und Arztpraxen. Doch wie sieht es eigentlich hinter der Scheibe aus? Wie wird Solidarität in Apotheken gezeigt und gelebt? Apothekerin Sonja Hartmann aus der Deutschorden-Apotheke in Illerrieden und PTA Sarah Linnartz aus der Apotheke am Bürgerplatz in Erftstadt schildern ihre ganz persönlichen Erfahrungen aus der Corona-Zeit.

ADHOC: Wie ist die gelebte Solidarität jetzt im Apotheken-Team? Wodurch zeichnet sie sich besonders aus?
HARTMANN: Da unser Team nicht groß genug ist, um in zwei Schichten zu arbeiten, passen wir untereinander sehr aufeinander auf. Die ersten sechs Wochen blieben diejenigen, die zur Risikogruppe gehörten ganz zuhause. Danach arbeiteten Sie nur in der Mittagspause ohne Kontakt zu den anderen Mitarbeitern oder zu Kunden. Alle Urlaubspläne mussten über den Haufen geworfen werden – aber das war alles kein Problem. Alle zogen hier an einem Strang. Das ist durchaus bemerkenswert, denn wenn es um die Urlaubspläne geht, ist das doch manchmal wie Zündstoff im Team.
LINNARTZ: In unserem Team ist die Solidarität unverändert. Sie war schon immer auf hohem Niveau und ist es während der Pandemie auch geblieben. Wir sind alle sehr hilfsbereit: In unserem Team springt daher jeder für jeden zu jederzeit ein. Wir waren in diesem Punkt vorher schon sehr zufrieden und sind es immer noch. Ich hoffe, dass es in Zukunft auch so bleiben wird.

ADHOC: Haben Sie das Gefühl Kunden und Patienten haben sich im Hinblick auf die Toleranz verändert? Wissen diese den Einsatz in ihrer Apotheke mehr zu schätzen?
HARTMANN: Die ersten Wochen waren die Kunden sehr verunsichert. Viele fragten uns nach unserer Meinung oder zu „Geheimrezepten“ aus dem Internet. Diese Zeit war für uns sehr schwer, denn die Leute versuchten sich „Sicherheit einzukaufen“. Für unsere dauerhafte Präsenz, Geduld und Beratung waren und sind uns unsere Kunden sehr dankbar. Ich denke, wir haben in dieser Zeit einige Kunden dazu gewonnen. In dieser schwierigen Zeit hat unser Apothekenpersonal Kompetenz und Verlässlichkeit bewiesen.
LINNARTZ: Nein, die Toleranz der Kunden hat sich bei uns nicht groß verändert. Kunden, die vorher schon verständnisvoll waren, sind es weiterhin, schwierige Kunden sind tatsächlich eher noch anstrengender geworden – sie nörgeln mehr oder beschweren sich, wenn es mal länger dauert. Ich finde, die Kunden sind prinzipiell gleichgeblieben, sie sind nur mehr in die Extreme gerutscht.

ADHOC: Haben sich Kunden und Patienten bei Ihnen mehr bedankt?
HARTMANN: Viel mehr Kunden haben sich bedankt – dafür bedankt, dass wir da sind, geöffnet haben und Hilfestellung leisteten. Sie haben sich für das bedankt, was wir all die Jahre schon immer machen: Aufmerksam zuhören und mit Rat und Tat zur Seite stehen. Am Anfang war das fast ein bisschen unwirklich. Das machen wir quasi immer – und plötzlich bedanken sich die Menschen allein dafür, dass man da ist!
LINNARTZ: Das war sehr unterschiedlich. Von einigen wurde der Mehraufwand als selbstverständlich angesehen. Viele Stammkunden waren allerdings noch dankbarer als vorher für das was wir tun. Im Großen und Ganzen haben wir aber niemanden umgepolt bekommen.

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