Apotheke baut Laborzelt neben die Offizin

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Berlin -

Desinfektionsmittel werden gerade gebraucht wie nie zuvor und die Apotheken stehen dabei an vorderster Front. Weil kaum noch fertige Produkte zu bekommen sind, müssen die Pharmazeuten einen großen Teil der Versorgung übernehmen und oft ihre Kapazitäten erhöhen. Manche Apotheken werden dabei kreativ, sowohl was ihre Bezugsquellen angeht als auch die Umstände, unter denen sie produzieren: Die Hexental-Apotheke in Merzhausen hat neben der Offizin ein Zelt aufgestellt, um dort Desinfektionsmittel zu mischen – und lässt sich dabei von Freiwilligen helfen.

Es sieht eher aus wie ein Experiment der Chemie-Oberstufe: Ein Jugendlicher steht im weißen Kittel an einem Bierzelttisch, auf dem verschiedene Kolben drapiert sind, und sortiert konzentriert kleine Plastikflaschen, die in einer Kiste auf dem Tisch stehen. Doch es ist kein Schulexperiment, sondern bitterer Ernst: Er hat der Hexental-Apotheke geholfen, Desinfektionsmittel herzustellen. Die hat nämlich bereits seit zwei Wochen ein Zelt neben der Apotheke stehen, um dem gestiegenen Bedarf decken zu können.

Zuvor hat sie das natürlich im apothekeneigenen Labor gemacht. Doch das hat ein Problem: Es ist vier Quadratmeter groß. „Wir haben das am Anfang da gemacht, aber nach sechs Stunden Arbeit da drin haben sie einen Kopf, als ob sie einen Kater haben“, erklärt Inhaberin Dr. Sybille Koch-Göpfrich. Da aber bereits klar war, dass die Nachfrage so schnell nicht nachlassen würde, musste eine Lösung her. Glücklicherweise hat Koch-Göpfrich dabei einiges an Hilfe erhalten: Das Zelt hat ihr der Vermieter zur Verfügung gestellt, desinfizierte PET-Flaschen für die Desinfektionsmittel hat sie von einem Getränkehändler gespendet bekommen und Schüler wie Kunden greifen ihr bei der Abfüllung unter die Arme.

Zumindest bei Freiwilligen scheint es derzeit keine Lieferengpässe zu geben: „Ich bekomme viele E-Mails mit Hilfsangeboten, auch Kunden haben bereits gefragt“, erzählt Koch-Göpfrich. „Die Schüler helfen nur beim Abfüllen. Sobald ich Nachschub habe, rufe ich an und die kommen vorbei.“ Schwieriger ist es da schon, jenen Nachschub zu organisieren. „Am Samstag hat mir mein regulärer Lieferant gesagt, dass der Lkw mit 5000 Litern Ethanol in Polen 40 Kilometer vor der deutschen Grenze feststeckt.“

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