„Eine Versandapotheke kann in so einer Situation kein Land versorgen!“

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Berlin -

Apothekenmitarbeiter arbeiten derzeit an der Leistungsgrenze und müssen von der Herstellung von Desinfektionsmitteln bis zur Umsetzung von Sicherheitsmaßnahmen zusätzliche Aufgaben übernehmen. Und die großen Versender? Die schicken einfach ihre Päckchen raus und freuen sich über Rekordumsätze. So sehen es zumindest viele Apotheker vor Ort. Dabei müssten sie sehr viel mehr leisten als die großen Versandkonzerne.

„Eine Versandapotheke kann in so einer Situation kein Land versorgen!“, sagt eine Apothekerin aus Sachsen, die nicht namentlich genannt werden will. Das zeige sich im Moment überdeutlich. Und die Situation könne sich bald noch verschärfen, vermutet sie. „Wer weiß, wie lange die Post überhaupt noch richtig funktioniert?“ Die Paketboten dürften in ihrer Region wegen der Infektionsgefahr schon nicht mehr den Stift aus der Hand geben, wenn sie ein Paket ausliefern. Angesichts der sich verschärfenden Lage sei es gut möglich, dass da bald weitere Einschnitte folgen. „Ich hoffe nur, dass die Politik dann die richtigen Prioritäten setzt und die Privatbelieferung zugunsten der Warenanlieferung einschränkt.“

Spätestens dann sei vollkommen klar, wer die Verantwortung für die Versorgung trägt: „Wir haben den Botendienst!“ Doch so hart müsse es erst gar nicht kommen. „Sie können sich nicht vorstellen, was die Vor-Ort-Apotheken jetzt schon leisten, was die Versender nicht tun! Stellen Versandapotheken Desinfektionsmittel her?“ Sie hält das Verhalten der großen Versender für unsolidarisch. Es sei demotivierend, all diese Aufgaben zu übernehmen, während die Offizin voller Kunden steht, die Mängel zu managen – und dann zu sehen, „wie die Versender sich in so einer Situation feiern“.

„Das stehen Apotheker bis nachts im Labor, um noch nach der Arbeitszeit Desinfektionsmittel herzustellen, und müssen dann in der Presse lesen, wie sich einer freut, dass er gerade jeden Tag tausende Kunden zusätzlich hat!“, sagt sie. „Das deprimiert auch die Mitarbeiter hier.“




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