„Neue Geschäftsmöglichkeiten für räuberische Kriminelle”

Corona-Globuli und Chloroquin-Versender: Behörden warnen vor Abzocke

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Berlin -

Die Krise kennt viele Gewinnler und nicht alle arbeiten mit legalen Mitteln. Weltweit bieten derzeit illegale Online-Apotheken vermeintliche Medikamente gegen Covid-19 oder zum Schutz vor einer Ansteckung mit Sars-CoV-2, darunter auch bereits zugelassene Hoffnungsträger wie Chloroquin und Remdesivir. Das Problem ist so groß, dass die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) nun davor warnt, bei zwielichtigen Versendern zu bestellen. Auch die europäische Polizeibehörde Europol, die Wettbewerbs- und Verbraucherzentralen wenden sich zunehmend an die Öffentlichkeit, um vor gefälschten Arzneimitteln und falschen Gesundheitsversprechen zu warnen.

Zahlreiche illegale Arzneimittelversender und sonstige Online-Händler versuchten derzeit „Ängste und Sorgen angesichts der fortdauernden Covid-19-Pandemie auszunutzen“, warnt die EMA in einer Mitteilung. „Händler behaupten, ihre Produkte könnten die Krankheit Covid-19 heilen oder eine Ansteckung verhindern, oder geben vor, Zugang zu zugelassenen Arzneimitteln zu haben, die ansonsten nicht einfach zu beschaffen sind. Bei solchen Produkten ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es sich um gefälschte Medikamente handelt.“ So werden derzeit auf zwielichtigen Seiten auch vermeintliches Chloroquin oder Remdesivir angeboten.

Von solchen Medikamenten gehe eine Gefahr aus, warnt die EMA. Die Händler würden oft vorgeben, dass sie „echt und zugelassen“ seien. Sie könnten aber falsche oder gar keine Wirkstoffe enthalten oder den richtigen Wirkstoff in der falschen Stärke. „Sie können auch gefährliche Stoffe enthalten, die in Arzneimitteln nicht vorkommen dürfen.“ Die Einnahme solcher Arzneimittel könne zu ernsthaften Gesundheitsproblemen führen oder zu einer Verschlimmerung der Krankheit im Falle einer Infektion. Die EMA rät deshalb, Arzneimittel entweder vor in Vor-Ort-Apotheken, Drogerien oder bei registrierten Versandapotheken zu kaufen. Bei letzteren solle immer auf das offizielle Siegel geachtet werden.

Gegen diejenigen, die nicht registriert sind und gefälschte Arzneimittel verkaufen, war die europäische Polizeibehörde erst Anfang des Monats wieder aktiv geworden: Vom 3. bis zum 10. März führten Kontroll- und Abfertigungseinheiten der Hauptzollämter von 90 Ländern erneut die internationale Operation Pangea gegen Arzneimittelschmuggel und -fälschung durch. Dabei wurden 121 Personen festgenommen, 37 kriminelle Organisationen zerschlagen und gefälschte oder gestohlene Arzneimittel im Wert von 13 Millionen Euro beschlagnahmt, insgesamt 48.000 Packungen mit 4,4 Millionen Einzeldosen.

Dabei sei in diesem Jahr aufgefallen, dass neben den üblichen Verdächtigen – Potenzmittel, Dopingpräparate, Schmerzmittel – besonders viele Arzneimittel mit Bezug zur Corona-Krise waren, darunter auch Chloroquin. „Die Pandemie hat neue Geschäftsmöglichkeiten für räuberische Kriminelle eröffnet”, schreibt Europol dazu. „Behörden rund um die Welt haben 34.000 gefälschte Atemschutzmasken sichergestellt, was sie zum meistverkauften Medizinprodukt im Internet macht. Polizeibehörden haben über 2000 Links zu Produkten identifiziert, die im Zusammenhang mit Covid-19 angeboten werden.“

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