Zeit Campus: Apotheker unsicher bei Pille danach

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Berlin - Zankapfel „Pille danach“: Erst vor Kurzem stellte der Stern-Ableger „Neon“ die Beratungskompetenz der Apothekenmitarbeiter bei Notfallkontrazeptiva infrage. Jetzt hat „Zeit Campus“ mit einem neuen Artikel nachgelegt.

Der Online-Ableger der Zeit „für das Leben zwischen Abitur und Jobeinstieg“ erzählt eine Geschichte, wie sie der Zielgruppe das eine oder andere Mal passieren mag: Lea (die in Wahrheit nicht so heißt) hat gerade mit ihrem Freund Schluss gemacht. Auf einer Studentenparty kippt sie mit einem netten Studenten einen Schnaps nach dem anderen. Sie fährt mit ihm nach Hause, der Sex macht Spaß. Schon seit sieben Jahren verhütet Lea mit der Pille. Doch mit Schrecken stellt die 21-Jährige fest, dass sie im Laufe des letzten Monats die Einnahme ein einziges Mal vergessen hat. Sofort geht sie in die Apotheke, um sich die „Pille danach“ zu besorgen. Hier sei sie schnell abgefertigt worden, erzählt sie dem Magazin. Die Mitarbeiterin habe sie gefragt, wie lange der ungeschützte Sex her gewesen sei und ihr anschließend ein kleines Päckchen gegeben. „20 Euro bitte. Vielen Dank. Auf Wiedersehen.“

Die Pille danach ist seit 2015 in Deutschland rezeptfrei erhältlich. Damit solle der Zugang erleichtert und Barrieren wie Öffnungs- und Schließzeiten von gynäkologischen Praxen wegfallen, erklärt Zeit Campus. Doch könnten Apotheker einen Besuch beim spezialisierten Arzt wirklich ersetzen? Die wichtigste Frage, nämlich wie lange der Geschlechtsverkehr bereits her gewesen sei, sei in Leas Fall gestellt worden, sagt Professor Dr. Petra Thürmann, Direktorin des Philipp-Klee-Instituts für klinische Pharmakologie am Helios Klinikum Wuppertal. Von der Antwort hänge ab, welches Präparat abgegeben wird: die Pille danach mit dem Wirkstoff Levonorgestrel, das bis zu 72 Stunden nach dem Geschlechtsverkehr wirkt, oder das Präparat mit dem deutlich stärkeren Hormon Ulipristal, das bis zu fünf Tage später eingenommen werden kann.

Doch die begleitende Beratung sei in diesem Fall unzureichend gewesen, meint Ärztin Thürmann. Die Apothekenmitarbeiterin hätte fragen müssen, ob die junge Frau Medikamente einnehme, die ein Notfallkontrazeptivum unwirksam machen könnten. Dazu zählten etwa Arzneimittel gegen HIV oder Epilepsie. Die Frage nach der letzten Regelblutung gehöre ebenso zu einem Gespräch, um eine bereits eingetretene Schwangerschaft auszuschließen.

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