„Sex etc.“ in Apotheken

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Berlin - Seit rund anderthalb Jahren erhalten Schweizerinnen die Pille danach ohne Rezept nach einem Beratungsgespräch in der Apotheke. Durch indiskrete Fragen von Apothekern und aggressive Werbung auf Club-Toiletten gerät die Notfallkontrazeption jedoch immer wieder in die Negativschlagzeilen. Die Organisation Santé Sexuelle und der Apothekerverband Pharmasuisse rücken am heutigen Weltverhütungstag die Notfallverhütung ins Zentrum. Motto: „Notfallverhütung: Die richtige Entscheidung treffen mit Unterstützung der Fachperson Ihres Vertrauens.“

Die Schweizer Apotheken nehmen zum ersten Mal am Weltverhütungstag teil. Interessierte können sich an diesem Tag über das Thema Notfallverhütung informieren lassen. „Es geht uns darum, das Thema zu enttabuisieren“, sagte Esther Spinatsch, Apothekerin und Mitglied der interdisziplinären Expertengruppe für Notfallkontrazeption (IENK), im Interview mit dem Onlineportal Watson.ch. Nach wie vor gebe es Frauen, die schlecht Bescheid wüssten und beispielsweise glaubten, die Pille danach bewirke eine Abtreibung. Andere Frauen trauten sich nicht in die Apotheke. „Auch dem wollen wir entgegenwirken“, so Spinatsch. „Es ist uns wichtig zu betonen, dass wir in jeder Situation eine qualitativ hochstehende und neutrale Beratung anbieten.“

Zuletzt machten in der Schweiz Berichte von Betroffenen die Runde, die sich von Apothekern erniedrigt fühlten oder sich eine Moralpredigt anhören müssten, weil sie die Pille danach verlangten. Deshalb sieht Spinatsch auch bei Apothekern durchaus Schulungsbedarf bei der Beratung zur Pille danach. Zwar handelt es sich ihrer Auffassung nach um Einzelfälle. Dennoch wäre es falsch, solche Rückmeldung zu ignorieren, räumte die Apotheker ein.

„Verlangt eine Frau die Pille danach, sind indiskrete Fragen unangebracht“, sagte die Pharmazeutin, die Schulungen zum Thema anbietet. „Es ist auch nicht meine Aufgabe, meine Sexualmoral irgendjemandem aufzuzwingen.“ Wichtig sei hingegen, dass Apotheker, wo nötig, auf Beratungsangebote aufmerksam machten. Sollten sich Frauen in einer Beratung nicht wohlfühlen, rät sie ihnen, sich nach einer anderen Apotheke umzusehen. Es gebe eben empathischere Apotheker und solche, die schlechter mit Sexualität umgehen könnten.

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