Was ist los bei AvP?

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Berlin - Beim privaten Rechenzentrum AvP spitzt sich die Lage zu. Apotheken, die ihre Rezepte beim Anbieter aus Düsseldorf abrechnen, warten auf ihr Geld. Und sie warten auf Informationen oder auch nur darauf, dass sich ihr Außendienstler endlich zurückmeldet. Die ersten Kollegen sehen sich bereits gezwungen, mit Großhandel und Banken über eine Stundung ihrer eigenen Zahlungen zu sprechen. Sollten die Probleme länger andauern, könnte es flächendeckend ernste Liquiditätsprobleme geben.

Ein Kollege aus Süddeutschland, der namentlich nicht genannt werden will, ist mit seinen vier Apotheken seit Jahren Kunde von AvP. Er hat seine Abschlagszahlung nicht rechtzeitig erhalten – und seinen Urlaub wegen der Sache abgebrochen. „Es geht ja nicht um ein paar Euro“, sagt er. Sollten die Zahlungen länger ausbleiben, könnte er im schlimmsten Fall selbst seinen Verpflichtungen nicht nachkommen: „In meinen Filialen kann ich das zur Not überbrücken, aber in meiner Hauptapotheke geht es um Beträge, auf die ich nicht so eben mal verzichten kann.“ Gestern hat er sich mit seiner Bank und seinem Großhandel in Verbindung gesetzt, um eine Lösung zu finden.

Tatsächlich scheinen sich bei den Großhändlern die Anfragen von Apothekern zu häufen, die aufgrund der Zahlungsprobleme bei AvP um eine Stundung bitten müssen. Offiziell will sich natürlich niemand zu der Sache äußern, aber hinter vorgehaltener Hand wird bestätigt, dass sich eine Welle aufzubauen scheint: Mehrere Apotheker sind demnach mit ihrem Großhändler in Kontakt getreten.

Ein anderer Apotheker aus dem Nordosten hatte mehr Glück: Er hat seine Abschlagszahlung noch erhalten – und weil die sich am Umsatz des Vormonats bemisst, könnte er glimpflich davon kommen: Der Juli war in seiner Apotheke stark, der August schwach. Mit dem 80-prozentigen Abschlag könnte er erst einmal über die Runden kommen.

Was beide Apotheker aber ärgert, ist die schlechte Kommunikation seitens des Rechenzentrums. Der Außendienstler des Kollegen in Süddeutschland ist im Urlaub, der Vertreter aus dem Nachbarbezirk angeblich ebenfalls. Auch bei dem Apotheker aus dem Norden ist der Vertreter im Urlaub und der Stellvertreter nicht zu erreichen. Bei der Hotline der Zentrale, so berichten Apotheker übereinstimmend, kommt man derzeit überhaupt nicht durch: Hat man in der Warteschleife die erste Position erreicht, wurde bei einem Testanruf mitgeteilt, dass derzeit keine Anfragen angenommen werden können. Selbst Kooperationen, die eng mit AvP zusammenarbeiten, und Steuerberater, die bekanntlich mehrere Mandanten beim Rechenzentrum haben, tappen im Dunkeln. Steuerberater Dr. Bernhard Bellinger: „AvP soll eine Bescheinigung seiner Hausbank ins Netz stellen, dass das Geschäftskonto nicht gesperrt ist. Das wäre als vertrauensbildende Maßnahme unschlagbar.“

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