Rechenzentrum

Kein Geld von AvP: Jetzt sprechen die Anwälte Alexander Müller, 15.09.2020 15:16 Uhr

Berlin - Dienstagmittag und noch immer warten viele Apotheker auf ihr Geld von AvP, das eigentlich längst auf ihren Konten sein sollte. Die Steuerberater und Rechtsanwälte der Inhaber verlieren allmählich die Geduld mit dem Rechenzentrum und setzen Fristen.

Seit einer Woche hat AvP Probleme mit der Auszahlung an die Apotheken. Rund 350 Millionen Euro wurden nicht pünktlich ausgeschüttet. Zwar hat sich Wettstein bei seinen Kunden entschuldigt und versichert, dass alle Forderungen händisch überwiesen werden, doch bei vielen Kollegen ist offenbar noch nichts angekommen. „Bei uns hat sich kein Mandant gemeldet, dass er Geld bekommen hätte – alle, die sich gemeldet haben, haben nichts bekommen“, berichtet Rechtsanwalt und Steuerberater Dr. Bernhard Bellinger.

Viele Apotheker fragen sich, wie sie jetzt mit dem Problem umgehen sollen, zumal schon die nächste Rezeptabholung naht. „AvP hat am Freitagnachmittag nach unseren Informationen jedenfalls einem Teil seiner Kunden mitgeteilt, der Überweisungsauftrag sei erteilt. Spätestens am Montag hätten diese Kunden das Geld auf ihrem Konto“, erklärt Bellinger gegenüber APOTHEKE ADHOC. AvP habe ausweislich des eigenen Briefpapiers die Commerzbank als Hausbank, während die meisten Apotheker das Zielkonto aber bei der Apobank hätten. Von daher sei kaum zu erwarten, dass eine Überweisung, die am Freitagnachmittag erfolgte, am Montagvormittag oder -nachmittag im Zielkonto gutgeschrieben sei.

Allerdings ist die Ankündigung von Wettstein, „die Zahlungen für Ihre Rezepte sind sicher auf dem Weg“, laut Bellinger nicht so präzise, „wie ein Jurist sich das wünschen würde“. Wenn AvP den Überweisungsauftrag am Freitag erteilt habe, müsse AvP am Montag über eine Bescheinigung der Hausbank verfügen, dass der Betrag überwiesen wurde, also die Commerzbank verlassen habe. Bellinger: „Von daher wäre es sicher geschickter gewesen, wenn Wettstein formuliert hätte: ‚Die Zahlung an Sie ist von unserer Hausbank ausgeführt worden.‘“

Wenn man bankübliche Wertstellungspraxen unterstelle, hätte eine Überweisung vom Freitagnachmittag von der Commerzbank an ein anderes Bankinstitut spätestens am Dienstag gegen 11 Uhr auf dem Empfängerkonto als Zahlung sichtbar sein müssen. In (§ 675s Abs. 1 Satz 1 BGB heißt es dazu: „Der Zahlungsdienstleister des Zahlers ist verpflichtet sicherzustellen, dass der Zahlungsbetrag spätestens am Ende des auf den Zugangszeitpunkt des Zahlungsauftrags folgenden Geschäftstags beim Zahlungsdienstleister des Zahlungsempfängers eingeht.“ Wenn die Überweisung immer noch nicht erkennbar sei, müsse AvP damit rechnen, dass die Apotheker ihre Kündigungsmöglichkeiten aus dem Vertragsverhältnis ausschöpften, so Bellinger. Das Recht zur fristlosen Kündigung könne in Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) nicht abbedungen werden.

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