Berlin -

Für Noweda-Verhältnisse kommt es einem Erdbeben gleich: Erstmals seit 30 Jahren kürzt die Genossenschaft die Dividende. Bei der Generalversammlung am 25. November soll eine Ausschüttung von 8,5 Prozent beschlossen werden. Normalerweise zahlt die Noweda stets 11 Prozent Dividende.

In diesem verrückten Corona-Jahr läuft auch beim Essener Großhändler alles ein bisschen anders. Die Generalversammlung wird digital abgehalten, die Mitglieder können sich online zuschalten. Die beinahe noch gravierendere Änderung ist die Dividendenkürzung. Laut Geschäftsbericht sollen die Apotheker 8,5 Prozent für die ersten fünf Anteile ausgezahlt bekommen und 10 Prozent ab dem sechsten. Das ist – verglichen mit anderen Geldanlagen – immer noch ein stattlicher Wert, liegt aber doch spürbar unter der über Jahre gewohnten Rendite von 11 Prozent, beziehungsweise 13,2 Prozent ab dem sechsten Anteil.

Dabei können sich die Zahlen der Noweda sehen lassen: Der Großhändler erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2019/20 knapp 7,85 Milliarden Euro Umsatz, verglichen mit 7,35 Milliarden im vergangenen Jahr. Das Betriebsergebnis stieg von 38,9 auf 42,5 Millionen Euro und das Ergebnis nach Steuern von 29 auf 33,6 Millionen Euro. Bleibt unter dem Strich ein Bilanzgewinn von 27,2 Millionen Euro. Die 25,9 Millionen Euro aus dem Vorjahr wurden quasi komplett als Dividende ausgeschüttet, in diesem Jahr verfolgt die Noweda eine andere Strategie.

Noweda-Chef Dr. Michael Kuck kommentierte die erste Kürzung seit 30 Jahren gegenüber APOTHEKE ADHOC so: „Das erfreuliche Ergebnis der Noweda würde erneut eine Dividende auf dem Niveau der Vorjahre ermöglichen. Gleichwohl werden Aufsichtsrat und Vorstand der Generalversammlung vorschlagen, einen Teil des Bilanzgewinns zur weiteren Stärkung und Zukunftsvorsorge im Unternehmen zu belassen.“

Auch nach Abzug der Körperschaftssteuer liege die Ausschüttung damit mehr als doppelt so hoch wie die durchschnittliche Dividende der DAX-Unternehmen, so Kuck weiter. „Mit diesem Vorschlag zur Verwendung des Bilanzgewinns soll zum einen der Tatsache Rechnung getragen werden, dass die in den letzten Jahren stark gestiegene Ausschüttungsquote auch zukünftig ein angemessenes Verhältnis zwischen Dividende, Investitionen und Rücklagen zulassen soll. Zum anderen soll das Unternehmen in Hinsicht auf die unsichere Marktentwicklung, nicht zuletzt infolge der Pandemielage, zusätzlich gestärkt werden.“

Für leichte Verärgerung unter Apothekern sorgte, dass die Kürzung im übersandten Geschäftsbericht anscheinend gut versteckt wurde. In den Tabellen im Umschlag ist die Dividende zwar wie üblich ausgewiesen, erklärt wird dieser doch unerwartete Schritt seitens der Unternehmensführung aber nicht weiter. Das will Kuck bei der Digital-Generalversammlung in der kommenden Woche nachholen. Die Mitlgieder müssen dem Vorschlag auch noch zustimmen.

 

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