GKV-SpiBu will „Grundfinanzierung“ für Apotheken

GKV: Spahn macht reiche Apotheken reicher und arme ärmer

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Besonders verschärft werde diese Tendenz durch die Kombination aus hoch regulierter Vergütung bei gleichzeitiger Niederlassungsfreiheit. Denn die schaffe den Anreiz, „die Entscheidung der Standortwahl vor allem nach der erzielbaren Absatzmenge zu treffen. So erklärt sich die insbesondere in Ballungszentren zu verzeichnende hohe Konzentration von Apotheken und eine demgegenüber vergleichsweise geringere Apothekendichte in eher ländlichen Lagen.“ Das wiederum führe zu einer doppelten Schieflage: einerseits zu Überversorgung in Ballungsräumen bei gleichzeitiger Unterversorgung in ländlichen Gebieten, andererseits aber auch zu einer prekären wirtschaftlichen Lage vieler Apotheken Ballungsräumen, die dort einem „ungesteuerten Mengenwettbewerb“ und intensiver Konkurrenz ausgesetzt seien. „Notwendig bleibt eine Vergütungsreform, die die flächendeckende Versorgung stärkt und den starken Anreiz zur Konzentration auf städtische Lagen abmildert“, so Grunenberg und Bäumer.

Eigentlich hätte das VOASG da Abhilfe schaffen sollen. Habe es aber nicht – und zwar nicht zuletzt wegen der „Phantomdiskussion“ über ein mögliches Rx-Versandverbot seit dem berüchtigten Rx-Boni-Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) vom Oktober 2016. Es stehe fest, dass die in der Debatte „immer wieder angeführten Bedrohungsszenarien für die inländische Arzneimittelversorgung durch das kleine Marktsegment der Versandapotheken dazu geführt haben, dass der Fokus der gesundheitspolitischen Beratungen nicht auf dem Weiterentwicklungsbedarf und -potenzial des Apothekenmarktes lag“, so Grunenberg und Bäumer. Den zentralen Problemstellungen des Apothekenmarktes sei deshalb nur nachrangige Bedeutung zugekommen.

Ergebnis: Die diesbezüglichen Regelungen des VOASG seien unausgegoren und würden die Probleme eher noch weiter verschärfen. So werde zwar mit der Einführung pharmazeutischer Dienstleistungen „richtigerweise anerkannt, dass Pharmazeutinnen und Pharmazeuten in der Patientenversorgung größere Kompetenzen übertragen werden können“. Doch auch hier gelte, dass vor allem Patienten mit ohnehin hoher Kundenfrequenz und der Möglichkeit, Dienstleistungsangebote zu skalieren, von der neuen Vergütung profitieren. Gleiches Schema bei der Vergütung des Botendienstes: „Es ist wahrscheinlich, dass hiervon vor allem wieder Apotheken in zentralen Lagen mit hoher Kundenfrequenz profitieren werden, bei denen leichter eine kritische Masse an Belieferungen zur Einrichtung eines regelmäßigen Botendienstes erreicht wird.“

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