Südtirol

Gesamtes Team lässt sich impfen: Prämie für Apothekenmitarbeiter

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Berlin -

Als der Anruf kam, dass sich Apothekenmitarbeiter in Südtirol impfen lassen können, war Florian Peer begeistert. Er reagierte sofort. „In unserem Team sind alle bereits gegen Sars-CoV-2 geimpft oder haben schon einen Impftermin“, freut er sich. Eigentlich ist pharmazeutisches Personal noch nicht an der Reihe, aus der ersten Gruppe hätten sich jedoch weniger Menschen als angenommen impfen lassen.  

In Südtirol werden seit Anfang Januar Mitarbeiter der Krankenhäuser, Bewohner von Heimen sowie Mitarbeiter geimpft. Die Teilnahme ist freiwillig. „Es besteht viel Unkenntnis beim Thema Impfen, gerade in sozialen Medien“, sagt Peer, der mit seinem Bruder Stephan zwei Apotheken führt. „Es fehlen Informationen für Endkunden.“ Im Gespräch mit älteren Kunden habe er die Erfahrung gemacht, dass es jedoch fast keine Zweifel an der Notwendigkeit der Imfpung gebe.

Auch in seinem Team war die Impfbereitschaft groß. Rund 20 Mitarbeiter haben bereits die erste Spritze erhalten. „Kleiner Picks, große Freude“, sagt Peer. Vorbehalte gab es fast keine. Vereinzelt hätten Mitarbeiter Rückfragen wegen Allergien oder Vorerkrankungen gehabt. Manche haben um Bedenkzeit gebeten. „Diskussionen, ob die Impfung generell relevant ist, gab es nicht“, ist Peer froh. Keiner habe es grundsätzlich abgelehnt.

Als Bonus für die erfolgte Impfung gab es für jeden Mitarbeiter 100 Euro. „Das ist uns nachträglich eingefallen. Wir feiern damit gemeinsam, dass jetzt vielleicht eine Lösung in der Coronakrise da ist.“ Die zweite Impfung ist für Anfang Februar geplant. An den bestehenden Hygieneschutzmaßnahmen wie Maske, Plexiglasscheiben und Abstandhalten werde aber nichts geändert. „Damit zeigen wir auch unsere Solidarität mit den Nicht-Geimpften.“

Die Apotheker-Brüder beschäftigten sich auch mit der Frage, wie man generell mit Impfgegnern im Team umgehen solle. Die deutschsprachige Bevölkerung in Südtirol gilt in Italien als besonders impfkritisch insbesondere in Hinblick auf Kinderkrankheiten wie Masern. „Wir haben überlegt, was eine Ablehnung für uns als Apotheke bedeuten würde“, sagt Peer.

„Jeder der sich nicht impft, setzt die anderen unter Druck etwa wegen der Mehrarbeit, die sich anhäuft, wenn jemand für mehrere Wochen ausfällt.“ Die Mitarbeiter in den Apotheken in Lana und Brixen würden zudem einmal wöchentlich getestet. „Sollten die Teammitglieder, die nicht geimpft sind, den Test dann selbst zahlen? Oder sollte ein Covid-19-Fall die Fehlzeit mit seinem Urlaub gegenrechnen?“

Diese Gedanken musste Peer nicht weiter ausführen, da das Team dankbar für die Impfmöglichkeit gewesen sei. Auch die Kunden freuten sich mit, sagt Peer. Er veröffentlichte bei Facebook ein Foto von seinem geimpften Team und bekam viel positive Resonanz. „Wir wollten mit dem Bild ein Zeichen setzen, da es in den sozialen Netzwerken viel kritische Stimmen gibt.“

In Deutschland wurden drei Prioritätsstufen definiert. Apothekenmitarbeiter gehörten zur dritten Gruppe und haben „erhöhte Priorität“. In der zweiten Gruppe bezieht sich die Bundesregierung auf den regelmäßigen Patientenkontakt. Doch angesichts der schleppenden Lieferungen an Impfstoff könnte es noch Monate dauern. Alleine die erste Gruppe wird auf mindestens 8,6 Millionen Menschen geschätzt. Gruppe 2 wird vom RKI auf rund 12,7 Millionen Köpfe geschätzt, Gruppe 3 auf 15,3 Millionen.

Laut aposcope-Befragung wollen sich drei von vier Personen, die in Apotheken arbeiten, gegen das Coronavirus impfen lassen. Unter Apothekerinnen und Apothekern sind es 83 Prozent, bei den PTA 65 Prozent. Verglichen mit früheren aposcope-Befragungen steigt die Impfbereitschaft deutlich an: Noch Anfang Dezember waren es 70 Prozent der Approbierten sowie 46 Prozent der PTA. Eine Impfpflicht fürs Apothekenteam befürworten dagegen nur 35 Prozent der Befragten.

Die Apothekenmitarbeiter dürften ihrerseits eine erhebliche Rolle spielen, wenn es um die Impfbereitschaft in der Bevölkerung geht: Ihre Einschätzung ist gefragt und Corona permanent Thema in der Offizin. 80 Prozent der Apotheker sowie 54 Prozent der PTA gaben an, sie würden alles dafür tun, dass sich möglichst viele Kunden der Apotheke gegen Corona impfen lassen. An der aposcope-Umfrage nahmen am 12. Januar 309 verifizierte Apothekerinnen und Apotheker sowie PTA teil.

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