„Die Schließung war beim Apothekenkauf absehbar“

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Berlin -

Immer mehr Apotheken in ländlichen Regionen schließen dauerhaft. Mit dem Aus der Jade-Apotheke in Horumersiel müssen die rund 1100 Einwohner des Nordseebades in den nächsten Ort fahren, wenn sie Arzneimittel brauchen. Auch die Urlauber:innen müssen sich umsehen. Für Inhaber Hubert Fehr kommt die Schließung nicht überraschend. Für ihn war bereits beim Unterzeichnen des Übernahmevertrags klar, dass es für den Standort an der Küste keine Nachfolger:in geben wird.

Fehr erfüllte sich 2008 einen Traum: „Ich wollte an der Küste leben“, sagt der Apotheker. Ein Ferienhaus an der Nordsee hatte er bereits. Als er hörte, dass die damalige Inhaberin der Jade-Apotheke den Betrieb abgeben wollte, war er sofort interessiert. Er gab seine Selbständigkeit in Düsseldorf auf und kaufte die Apotheke samt Wohnhaus. „Bereits damals war absehbar, dass ich der letzte Inhaber sein werde.“

Die Jade-Apotheke könne sich nicht allein von dem Bedarf der Gemeinde heraus finanzieren. „Wir leben vom Tourismus“, sagt Fehr. Im Winter sei sehr wenig los. Im Sommer oder in der Saison gebe es dagegen Tage, an denen die Kund:innen vor der Apotheke Schlange stünden. „Das ist hier sehr unterschiedlich und von Tag zu Tag anders.“ Diese Ungewissheit sei nicht reizvoll. „Die Leute wollen dieses Risiko nicht eingehen.“

Zunächst seien die Umsatzzahlen noch so gewesen, dass das Einkommen „passabel“ gewesen sei, sagt Fehr. „Durch die vielen Reformen wurde es aber immer weniger.“ Aktiv nach einer Nachfolger:in für seinen Betrieb habe er nicht gesucht. Spätestens als im vergangenen Dezember im naheliegenden Wilhelmshaven eine gut laufende und rentable Apotheke keine neue Inhaber:in gefunden habe, sei ihm klar gewesen, dass er die Jade-Apotheke schließen müsse. „Die Kunden müssen jetzt zehn Kilometer weiter fahren.“ Rezepte könnten in einer Sammelstelle eingeworfen werden.

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