Laura Bilinson hat einen Plan. Nach dem Pharmaziestudium will sie sich selbstständig machen. „Die meisten wollen wegen des Geldes in die Industrie“, sagt die 26-Jährige. Doch diese Ambitionen teilt sie nicht. Bereits im fünften Semester informiert sie sich über eine mögliche Übernahme und arbeitet jeden zweiten Samstag in einer Apotheke mit. „Ich habe gute Erfahrungen in der Famulatur gemacht, anders als viele“, sagt sie.
Seit Mitte 2024 arbeitet Bilinson in der Columbus-Apotheke in Oberursel. Sie absolvierte dort ihre Famulatur und ist mit einem Minijob angestellt. „Ich wusste nicht, dass man das ganze Studium über in der Apotheke mitarbeiten darf und bin sehr zufrieden.“ Mittlerweile dürfe sie unter Aufsicht bereits im Handverkauf helfen.
Gerade jetzt, wenn im Studium Pharmakologie gelehrt werde, sei dies spannend, da sie ihr Wissen direkt in der Praxis anwenden könne: „Wir nehmen Antibiotika durch und am Samstag kommt ein Kunde, der genau dieses Antibiotikum braucht, das ist schon cool.“ Bei Statinen könne sie jetzt gezielt nach Neben- oder Wechselwirkungen fragen und den Menschen direkt helfen.
Die Kundschaft in der Apotheke sei glücklich, wenn ihnen jemand zuhöre, so die Erfahrung von der angehenden Pharmazeutin. „Gerade ältere Patienten sind oft verwirrt und verloren, was ihre Medikamente angeht. Die Ärzte haben kaum noch Zeit und ich sehe die Pharmazeuten hier gefragt.“ In den Semesterferien will sie noch öfter arbeiten.
Bilinson selbst informierte sich bei den Existenzgründertagen in Hessen, die unter anderem vom Hessischen Apothekerverband mitorganisiert werden. „Ich tendiere eher zur Übernahme als zur Neugründung“, sagt sie. Die Vorteile seien ein bewährter Standort, den man sich ansehen könne. Dazu kämen ein vorhandenes Team, Kundeninformationen oder laufende Verträge. „Eine Neugründung ist viel Aufwand.“
Anders als bei ihren Mitstudierenden steht für Bilinson die Entscheidung bereits fest, nicht in die Industrie gehen zu wollen. Auch Klinikpharmazie sei ein spannendes Feld, räumt sie ein. Sie selbst studierte bereits Biologie und begann das Pharmaziestudium mit dem Wunsch, in der Apotheke zu arbeiten. „Viele meiner Kommilitonen haben sich gegen die Apotheke entschieden, weil die Famulatur schlecht war.“
Als Fachschaftssprecherin in Frankfurt am Main wünscht sie sich, dass an der Universität mehr über Übernahmemöglichkeiten und die Arbeit in der Apotheke informiert wird. „Man muss so früh wie möglich ansetzen, wenn sich jemand seine Meinung in der Famulatur gemacht hat, ändert er sie so schnell nicht.“ Um gute Apotheken herauszufiltern, will sie eine inoffizielle Liste einführen, in der Studierende die Vor- und Nachteile der Ausbilder-Apotheke eintragen.
Ihre Apotheken-Chefin, Miriam Oster, freut sich über das Engagement von Bilinson. Es komme nicht oft vor, dass man bereits so junge Studierende in der Apotheke habe, die so leidenschaftlich dabei seien, sagt sie. „Es ist eine klassische Win-Win-Situation für beide Seiten und es gibt sie noch, die guten Apotheken, trotz aller politischen Entscheidungen.“ In Zukunft komme man immer weniger an der Vor-Ort-Apotheke vorbei, weil sie so gebraucht werde, betont die Inhaberin, die auch im HAV-Vorstand sitzt.