Übernahme geglückt

„Viel Zeit für Behördengänge einplanen“

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Berlin -

Die Übernahme einer Apotheke ist ein großer Schritt. Er kostet nicht nur Nerven, sondern vor allem Zeit. Stefanie Hering hat es gewagt und ist seit kurzem Inhaberin der Michael Apotheke in Dortmund. Selbstständig zu werden, plante die 42-Jährige eigentlich nicht. Heute ist sie mit der Entscheidung sehr zufrieden und freut sich, im Stadtteil Lanstrop ihre Idee von der perfekten Apotheke aufbauen zu können.

Vor anderthalb Jahren wurden in Dortmund die Karten auf den Tisch gelegt. Hering und die damalige Inhaberin Monika Hagenhoff kannten sich über deren Mann, Dr. Günter Hagenhoff. Beide sind in der Apothekerkammer Westfalen-Lippe (AKWL) aktiv. „Wir sind oft Strecken gemeinsam gefahren“, sagt Hering. Nach 37 Jahren und zwei Umzügen wollte sich Hagenhoff zur Ruhe setzen und das Ehepaar fragte die angestellte Pharmazeutin, ob die Michael Apotheke etwas für sie wäre.

„Ich hatte es damals eigentlich nicht geplant“, sagt Hering, die eine kleine Tochter hat. Sie war jedoch aufgeschlossen und entschied sich, zunächst als Angestellte in dem Betrieb anzufangen. „Ich konnte mit den Ecken und Lücken beschäftigen.“ Nach drei Monaten sei klar gewesen, dass die Apotheke etwas für sie ist, und sie sagte zu. Das verbleibende Dreivierteljahr sei nötig gewesen, um den Übergang zu meistern.

In dieser Zeit gab Hering der Apotheke bereits eine persönliche Note. „Ich entwickelte ein neues Logo.“ Außerdem nutzte sie die Zusammenarbeit mit Hagenhoff, um sich neue Bereiche wie Rechnungenschreiben oder Direktbestellungen einzufinden. „Es war gut, vorher angestellt zu sein.“

Auch für das Team sei der fließende Übergang von Vorteil gewesen. Es sei wichtig, dass die Angestellten zufrieden seien. „Wir haben das große Glück, dass der ganze Prozess partnerschaftlich und vertrauensvoll abgelaufen ist.“

Sie empfiehlt Apotheker:innen, die eine Selbstständigkeit planen, „viel Zeit für Behördengängen einzuplanen“. Mietvertrag, Telefon- und Internetanbieter oder die Gewerbeanmeldung seien nur einige Beispiele. „Alles baut irgendwie aufeinander auf.“ Wichtig sei ein strukturiertes Vorgehen. Nach den „vielen Baustellen“, befinde sie sich jetzt „im Flow“, wie sie den Alltag beschreibt. Aktuell werde das Backoffice umgestaltet, der neue Beratungsraum sei bereits fertig.

„Hier ist es zum wohlfühlen“

Hering will in der Apotheke künftig mehr Dienstleistungen anbieten. Außerdem wolle sie die Kooperation mit anderen Gruppen fördern. „Wir wollen ein Netzwerk aufbauen“, sagt sie. Die Apotheke habe sich beispielsweise auf Eltern- und Kindthemen spezialisiert und suche den Kontakt zu Schulen. „Es handelt sich hier um einen wachsenden Vorort mit vielen jungen Familien und nur einer Apotheke.“

Der Betrieb und sie hätten sich „gesucht und gefunden“, schwärmt Hering. „Hier ist es zum Wohlfühlen.“ Es gebe einen Personalraum mit Tageslicht, das sei nicht in vielen Apotheken vorhanden. Dass sie nach ihrem Examen 2006 in die Vor-Ort-Apotheke gehen werde, sei immer klar gewesen. „Mein Leben war schon immer die Apotheke.“ Die Übernahme im Oktober sei genau der richtige Zeitpunkt gewesen.

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