„Die Kunden werden nicht auf Apotheken warten“

, Uhr

Apotheker und ihre Mitarbeiter seien längst selbst zu 100 Prozent digital unterwegs und müssten akzeptieren, dass das E-Rezept keine Entscheidung für oder gegen den Versandhandel sei: „Der Versandhandel wird bleiben, europäisch und inländisch“, so Steimle. Auch ihm seien „gleich lange Spieße“ wichtig – Stichwort: Gleichpreisigkeit. Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Fast 100 Prozent ihrer Einsparungen generierten die Kassen aus Rabattverträgen – und das werde sich auch nicht ändern: „Wir sehen weder das E-Rezept noch irgendein anderes Modell, um Einsparungen auf Ebene der Apotheke zu generieren. Ich will über eine bessere Versorgung sprechen.“

Laut Steimle glauben die Patienten heute, dass Ärzte und Apotheker über alles, was ihre Behandlung angehe, Bescheid wüssten. Das sei aber nicht so, denn „E-Rezept und ePa sind so gesehen keine Innovation, sondern nur das Einlösen eines Versprechens, das wir den Patienten längst gegeben haben.“ Dabei sieht er die Apotheker im Grundsatz in einer guten Ausgangssituation: „Nehmen wir das Beispiel Adhärenz. Diese lässt sich in einer digitalen Welt sicher schnell verbessern, aber Technik oder ein Paket vor Tür werden den menschlichen Kontakt nicht ersetzen.“

Auch bei DocMorris hat man nach Angaben von Müller die qualitativen Aspekte im Fokus. Eine Schachtel Tabletten von A nach B zu geben oder zu schicken, möge im einfachsten Sinne zweckdienlich sein. „Wenn man aber den ganzen Anspruch als Apotheke wahrnehmen will, muss sich etwas ändern.“ Für DocMorris könne er sagen: „Alle unsere Projekte sind darauf ausgelegt, aus Sicht der Patienten optimal zu funktionieren.“

Müller wirft der ABDA vor, nach wie vor rückwärts gewandt zu agieren, statt sich auf Zukunftsthemen zu konzentrieren. „Die Rolle der Apotheke muss sich ändern, das durfte sie aber bislang nicht im deutschen bestehenden System. Das E-Rezept ist ein Gamechanger.“ Seiner Meinung nach ist die Diskussion derzeit vor allem angstgetrieben, um den Nutzen gehe es nicht. „Apotheker bekommen immer noch Schnappatmung, wenn das Wort E-Rezept fällt.“ Stattdessen sollte die Frage lauten: „Was kann die Apotheke an Mehrwert für den Patienten und den Arzt leisten? Statt diesen Weg zu gehen, werden Scheindebatten geführt, die aber nicht zum Erfolg führen.“ Denn längst sei klar: Wenn die Apotheke mehr leisten könne, sei auch die derzeitige Honorarstruktur obsolet. „Wir wären bereit für eine Pay-for-Performance-Vergütung.“

APOTHEKE ADHOC Debatte

Weiteres
Zuweisungsverbot für Plattformen
Gericht verbietet Shop Apotheke plus Zava»
„Wichtigste Triebfeder für den Vertrieb von nachgeahmten Produkten“
Studie: Online-Handel fördert Fälschungen»
Sofortprogramm: Weniger Geld für Impfstoff
AOK will Apothekenlager kontrollieren»
Warnungen vor „Flickenteppich“
Debatte über Ende der Corona-Notlage»