1,5 Millionen Euro: Apotheker soll Rezeptfälscherring beliefert haben

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Berlin - Ziemlich genau drei Jahre nach der Verurteilung von Apotheker Klaus H. zieht der Fall der Rezeptfälscherbande um ihn immer noch seine Kreise: Nun hat die Berliner Staatsanwaltschaft Anklage gegen einen weiteren Apotheker erhoben. Mohammed E. soll wissentlich gefälschte Rezepte im Wert von 1,5 Millionen Euro angenommen und die entsprechenden Arzneimittel an unbekannte Mittelspersonen herausgegeben haben.

Dafür muss der 49-jährige Pharmazeut sich bald vor dem Schöffengericht Berlin-Tiergarten verantworten. Ihm werden gewerbsmäßiger Betrug und gewerbsmäßige Urkundenfälschung in sechs Fällen vorgeworfen. Er soll im Zeitraum zwischen April und September 2016 in seiner Apotheke auf der Neuköllner Sonnenallee die gefälschten Rezepte entgegengenommen, bedient und dann gegenüber den Krankenkassen, die von einer ordnungsgemäßen Rezeptausstellung ausgingen, abgerechnet haben.

Die Arzneimittel soll er dann der Bande um Apotheker Klaus H. übergeben haben. Durch das Verfahren gegen ihn und fünf weitere Angeklagte, die im Mai 2018 zu teils mehrjährigen Haftstrafen ohne Bewährung verurteilt worden waren, geriet E. ins Fadenkreuz der Ermittler. H. war zu fünf Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt worden, seine Lebensgefährtin Galya S. erhielt vier Jahre und vier Monate, zwei andere Angeklagten erhielten drei Jahre beziehungsweise drei Jahre und vier Monate. Ein fünfter Angeklagter erhielt eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten, weil er ein einziges gefälschtes Rezept für die Bande angenommen und Medikamente abgeholt hatte.

Die Bande stand seit Februar 2018 wegen banden- und gewerbsmäßiger Urkundenfälschung und Betrug in 125 Fällen vor Gericht. Hinzu kam versuchter Raub in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung. Klaus H. hatte in Berlin zeitweise mehrere Apotheken betrieben, musste die letzte jedoch 2010 schließen. Die Entscheidung, Geld mit gefälschten Rezepten für hochpreisige Medikamente zu machen, fällte er nach eigenen Angaben aufgrund seiner schweren wirtschaftlichen Lage. Von einem bisher unbekannten Komplizen hatte er Rezepte fälschen lassen – mit einem Durchschnittswert von 15.000 Euro und Daten, die er einem Apothekenmitarbeiter in Berlin-Mariendorf abgekauft hatte.

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