Rezeptfälscher-Bande

Berlin droht Apothekenskandal APOTHEKE ADHOC, 15.03.2018 09:00 Uhr

Berlin - Berlin droht ein Apothekenskandal: Im Prozess gegen die Rezeptfälscherbande um den Berliner Pharmazeuten Klaus H. könnten dutzende Apotheken im ganzen Stadtgebiet ins Visier der Ermittler geraten. Denn H. hat in seinem eigenen Geständnis schwere Vorwürfe gegen eine ganze Reihe von Kollegen erhoben – sie sollen eingeweiht gewesen sein. Auch denen, die nichts wussten, droht Ärger.

Auf mehrere Berliner Apotheken könnten bald schlechte Nachrichten zukommen: Tausende Euro schwere Retaxationen von den Krankenkassen. Denn ihnen wurden von der Bande um den Berliner Pharmazeuten Klaus H. gefälschte Rezepte angedreht. Um 125 Fälle handelt es sich dabei laut Anklageschrift, die Zahl der Rezepte liegt jedoch um einiges höher, da je Fall oft mehrere zusammengefasst wurden. Um mehr als 2,5 Millionen Euro soll H. die Krankenkassen zwischen 2013 und 2017 so betrogen haben. Kann einer Apotheke nachgewiesen werden, dass sie die Fälschung hätte erkennen müssen, kann es teuer werden – erst recht in Anbetracht der Summen auf den Rezepten. Im Durchschnitt sei pro gefälschter Verordnung ein Schaden von 15.000 Euro entstanden, heißt es in der Anklageschrift.

Der Apotheker ist geständig – hat jedoch während seines noch laufenden Gerichtsprozesses mehrere Apothekeninhaber und mindestens einen Filialleiter in Berlin schwer belastet. Am vierten Verhandlungstag hat die Vorsitzende Richterin deshalb nach seiner Bereitschaft gefragt, in möglichen Verfahren gegen weitere mutmaßlich beteiligte Apothekenbetreiber auszusagen. Der betroffene Filialleiter weist die Vorwürfe zurück: „Was H. da erzählt ist unerhört, kompletter Unfug“, erregt er sich gegenüber APOTHEKE ADHOC.

Sollte es zur Anklage gegen weitere Pharmazeuten kommen, dann könnte sich das in Berlin zu einem handfesten Apothekenskandal auswachsen. Bei Verlesung der Anklage wurden mehrere Dutzend Apotheken genannt, in denen die Rezepte eingelöst wurden. Mit dabei waren zahlreiche prominente Pharmazeuten aus der Hauptstadt. Keiner von ihnen konnte sich auf Nachfrage zu dem Fall äußern. Vielfach dürften die Kollegen nichts von den Fälschungen gewusst haben.

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