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Spahn sucht ersten Gegner Silvia Meixner, 17.03.2018 08:09 Uhr

Berlin - Er ist gekommen, um zu streiten. Der neue Chef im Bundesgesundheitsministerium, Jens Spahn, will kein internes Abnicken und keinen Schmusekurs nach außen. Wer ihn überzeugen will, muss mit ihm schon in den Ring steigen. Und das ist wörtlich zu verstehen. Statt informelle Hintergrundgespräche bietet Spahn seinen Gesprächspartnern 6x2 Minuten Vollkontakt-Sparring. Freiwillige vor!

Als Philipp Rösler 2009 ins BMG einzog, wurde sehr viel über sein Feldbett geschrieben, auf dem er die erste Zeit in seinem Büro übernachtet haben soll. Die Pritsche braucht Spahn nicht: Er lebt schon lange in Berlin. Und eine Pritsche reicht ihm nicht: Spahn hat in der Berliner Kalkscheune, gleich neben dem BMG, eine Fläche dauerhaft gemietet und dort einen Boxring aufbauen lassen. Hier – und nur hier – werden Lobbyisten mit ihren Wünschen empfangen. „Und am morgen kriegen die auf die Fresse“, heißt es aus dem Umfeld des neuen Ministers.

Jeder darf gewarnt sein. Spahn ist seit 2002 im Bundestag und auch in der Branche kampferprobt. Gesundheitspolitischer Sprecher seiner Fraktion war er schon, jetzt kehrt er als Minister zurück. Bei Boxern würde man sagen, eine andere Gewichtsklasse. Obwohl das Gesundheitsministerium bei der Verteilung der Kabinettsposten nicht unbedingt erste Wahl ist, ist Spahn voller Elan. Und natürlich ist er froh, überhaupt einen Platz an Merkels Kabinettstisch zu haben, bei seiner Vergangenheit.

Jetzt sucht er seinen ersten Herausforderer im BMG. Jede Lobbygruppe darf ihren besten Kämpfern schicken und dann geht es ab in den Ring. Beim ersten Test-Sparring ging der Gegner nach 34 Sekunden k.o. Spahn geht nach eigenen Angaben bis zu viermal in der Woche ins Fitnessstudio.

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