RTL-Show

Mario Barth & Guido Cantz: Wahnsinn in der Apotheke

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Berlin -

Geldverschwendung, Behördenwahnsinn, Fehlentscheidungen: In seiner RTL-Sendung „Mario Barth deckt auf“ zeigt der Komiker, wo in Deutschland etwas schief läuft. In seiner jüngsten Sendung nahm Studiogast Guido Cantz irrsinnige Vorschriften unter die Lupe. Dafür besuchte er die Markt-Apotheke von Mario Spieker in Köln. Von ihm wollte der Moderator in Sachen Reglementierungswahnsinn etwa wissen, warum Apotheker zwingend eine Bohrmaschine brauchen.

Präqualifizierung: Das ist das Stichwort, wenn um es obskure Geräte in deutschen Apotheken geht. Die Bohrmaschine, erklärte der Apotheker, müsse er vorhalten, um beispielsweise Rollstühle reparieren zu können. Nur: Die vertreibt Spieker überhaupt nicht. In seinem – immerhin 25-jährigen – Berufsleben habe er sie nicht einmal benutzt. Dennoch muss er alle fünf Jahre nachweisen, dass er eine hat. „Dafür genügt aber auch nicht eine einfache Rechnung“, so der Apotheker. Er müsse auch ein Bild an die Präqualifizeirungsstelle mitschicken.

Das gleiche gelte für einen Spiegel, den es in jeder Apotheke laut Richtlinien geben muss. Er sei für die Patienten vorgeschrieben, zum Beispiel beim Anlegen von Kompressionsstrümpfen. Auch den Spiegel habe noch nie ein Kunde zur Hilfe genommen. Dafür werde er intensiv von seinen Mitarbeiterinnen benutzt, schmunzelt Spieker. „Es genügt aber auch hier nicht, einen Spiegel zu haben und das zu behaupten, sondern man muss mit Bild nachweisen, dass man einen hat“, berichtet er. „Und wenn man das nicht macht, gibt es einen Skandal“, kommentierte Cantz die Vorschrift. „Und der steht dann im ‚Spiegel‘.“

Dann kommt der Apotheker aus Köln-Porz mit einer Leiter in die Offizin. Auch sie sei Pflicht, sagt der Pharmazeut. Zudem müsse er seine Mitarbeiter einmal im Jahr für den Umgang mit dieser schulen. „Ich habe das Gefühl, so eine Leiter zu besteigen, ist inzwischen ein Ausbildungsberuf“, sagt Cantz angesichts der 38-seitigen Anleitung, die bei der Schulung helfen soll.

Cantz, der in Köln-Porz wohnt, ist ein Kunde der Markt-Apotheke. Vergangene Woche fragte er Spieker, ob er bei einem Dreh für die RTL-Show mitmachen würde. Am Montag rückte das Kamerateam bereits um halb neun in der Offizin an. Zwei Stunden seien für den Dreh veranschlagt worden, berichtet der Apotheker. Am Ende musste Spieker die Apotheke bis etwa 13 Uhr schließen. Eine Mitarbeiterin musste sich sogar vor die Tür stellen, um die Kunden abzufangen. „Sie hat sie dann entweder gebeten, zehn Minuten zu warten, bis eine Einstellung im Kasten war, oder sie zu unserer Filialapotheke geschickt, die sich ja um die Ecke befindet“, so der Pharmazeut.

„Ich war überrascht, wie gut das Team vorbereitet war“, berichtet er weiter. „Sie wussten bis ins Detail, welche bürokratische Vorschriften sie ansprechen wollen und hatten ein Drehbuch dabei.“ Er selbst hätte gern noch Rabattverträge als Beispiel für Bürokratie-Wahnsinn angesprochen. Doch das sei RTL zu kompliziert gewesen.

„Wir wurden vom Redaktionsteam darauf hingewiesen, möglichst keine Fachbegriffe und Fremdwörter zu benutzen und insgesamt auf eine einfache Sprache zu achten“, berichtet Spieker. „Das Wort Präqualifizierung war da schon die höchste Schwierigkeitsstufe.“ Und doch: Als der Moderator am Ende des Beitrags den Apotheker fragte, ob sein Beruf ihm angesichts der Vielzahl unsinniger Vorschriften überhaupt noch Spaß mache, bejahte Spieker. Trotz allem sei es nach wie vor ein schöner Beruf.

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