Bürokratie-Wahnsinn

Apotheker tapeziert mit HiMi-Verträgen APOTHEKE ADHOC, 22.05.2018 15:23 Uhr

Berlin - Der Bürokratie-Wahnsinn im deutschen Gesundheitswesen ist ein schier unerschöpfliches Thema. Den Patienten ist es oft gar nicht bewusst, welchen administrativen Aufwand ihre Apotheker und Ärzte täglich bewältigen. Apotheker Stefan Fink aus Thüringen berichtete nun in der Regionalzeitung, dass er eine ganze Wand im Backoffice seiner Weimarer Classic-Apotheke mit laminierten Ausdrucken bepflastert hat. Ein verzweifelter Versuch, einen Überblick über Verträge zu einzelnen Hilfsmitteln zu behalten.

Nur sein Humor hätte ihn bisher davor bewahrt, an der Bürokratie des Apothekenalltags zu verzweifeln, sagte Stefan Fink, Inhaber der Classic Apotheke in Weimar und Vorsitzender des Thüringer Apothekerverbandes, der Thüringischen Landeszeitung. Um den täglichen Wahnsinn zu veranschaulichen, wählte der Apotheker ein besonders sperriges Beispiel: die Hilfsmittel, also Bandagen, Orthesen, Kanülen, Inhalationsgeräte oder auch Insulinspritzen für Diabetiker.

Die Misere mit Inkontinenzwindeln & Co. hat aus seiner Sicht ihren Lauf genommen, als der Gesetzgeber Krankenkassen erlaubte, Rabattverträge mit bestimmten Hilfsmittelherstellern abzuschließen. Fortan suchte sich, erläutert der Apotheker, eine Krankenkasse für dieses Produkt einen oder mehrere Lieferanten und schloss wiederum mit Leistungserbringern wie Apotheken und Sanitätshäusern Verträge, damit diese die georderten Hilfsmittel abgeben durften. „Und so zerbröselte eine funktionierende Vertragslandschaft“, wird Fink im Bericht zitiert. An ihrer Stelle ist aus Sicht des Apothekers ein riesiger Flickenteppich entstanden.

Und so stelle er sich immer wieder die Frage, ob er für das benötigte Hilfsmittel überhaupt Vertragspartner der jeweiligen Krankenkasse sei. Der Thüringer Verbandschef kritisierte, dass es inzwischen so viele Einzelverträge gibt, dass er und seine Mitarbeiter sie beim besten Willen nicht mehr alle im Kopf behalten könnten. Mache jemand aus dem Team einen Fehler, bleibe die Apotheke auf den Kosten sitzen. Und so hat Fink eigenen Angaben nach eine ganz persönliche Gedächtnisstütze entwickelt: Eine ganze Wand im Backoffice seiner Central-Apotheke soll mit laminierten Ausdrucken bepflastert sein, die über Verträge zu einzelnen Hilfsmitteln Auskunft geben.

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