Die Vorgaben sind „sinnbefreit“

Pharmazierat: Präqualifizierung ist unnötig

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Berlin -

Die Abgabe von Hilfsmitteln erfordert eine vorherige Präqualifizierung der Apotheke. Das Verfahren dauert mitunter Monate – auch weil die Prüfung teilweise kuriose Nachweise verlangt. Ein Pharmazierat, der auch selbstständiger Apotheker ist, kritisiert die Audits: Die Präqualifizierung gehe an der Realität vorbei. Die Apotheken würden von der Aufsicht ausreichend kontrolliert.

Der Prozess der Präqualifizierung einer Apotheke treibt so manche Inhaber:in an den Rand der Verzweiflung. Nachweise wie Fotos oder Beschreibungen werden mitunter nicht akzeptiert und wieder und wieder eingefordert. „Oftmals sind die Vorgaben leider sinnbefreit“, sagt der Pharmazierat. „Dass ein Beratungsraum nur dann als blickdicht bezeichnet werden kann, wenn niemand Einsicht hat, ist selbstverständlich klar.“ Wenn aber ein Oberlicht in 2,5 Meter Höhe kritisiert werde, weil man durchsehen könnte, gehe dies an der Realität vorbei. „Wenn ich Bandagen abgeben möchte, brauche ich eine behindertengerechte Toilette, nicht zu vergessen Spiegel und Bohrmaschine.“ Auch eine Werkstatt sei bereits gefordert worden. Der Aufwand der Präqualifizierung führe dazu, dass Apotheken die Versorgung nicht mehr übernehmen wollten und den Vortritt den Sanitätshäusern überließen, ist der Pharmazierat überzeugt.

Wer seinen Kund:innen Hilfsmittel anbieten will, muss von einer akkreditierten Stelle geprüft werden. Denn laut Sozialgesetzbuch (SGB V) dürfen Leistungserbringer wie Apotheken, Hörakustiker oder Sanitätshäuser nur Vertragspartner der Krankenkassen sein, wenn sie „die Voraussetzungen für eine ausreichende, zweckmäßige und funktionsgerechte Herstellung, Abgabe und Anpassung der Hilfsmittel erfüllen“. Die Ergebnisse des Präqualifizierungsverfahrens werden an den GKV-Spitzenverband übermittelt, der wiederum die Krankenkassen informiert. Eine Statistik darüber, wie viele Apotheken aktuell Hilfsmittel abgeben dürfen, gebe es nicht, sagt eine Sprecherin.

Mehrere Firmen bieten eine Präqualifizierung an, die wiederum maximal fünf Jahre gültig ist. In diesem Zeitraum finden zwei Überwachungen statt. Neue Versorgungsbereiche erfordern einen Änderungsantrag, genauso wie ein Inhaberwechsel. Die Abda-eigene Agentur für Präqualifizierung (AfP) ist laut eigenen Angaben Marktführer. Seit Mai 2019 werden die Präqualifizierungsstellen von der Deutschen Akkreditierungsstelle (DAkkS) geprüft und überwacht. Mit der Akkreditierung dieser Stellen sollte ein „Beitrag zur Sicherung der Hilfsmittelversorgungsqualität in Deutschland“ geleistet werden.

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