Präqualifizierung: „Ich dachte, ich lese nicht richtig“

, Uhr
Berlin -

Die Sidonien-Apotheke in Radebeul ist ein Anbieter von Hilfsmitteln. Inhalationsgeräte, Kompressionsstrümpfe und verschiedene Messgeräte können in dem Betrieb bezogen werden. Für die Filialeiterin Susann Döring ist diese Versorgung ein wichtiger Bereich der Apotheke. Allerdings kritisiert sie den hohen zeitlichen Aufwand des Präqualifizierungsverfahrens sowie unsinnige Nachweise und warnt vor einem Wegfall der Apotheke vor Ort bei der Hilfsmittelversorgung.

Als Döring 2017 die Filialleitung der Sidonien-Apotheke übernahm, wurde ihr in der Übergabe bereits angekündigt, dass eine Überwachung der Präqualifizierung anstehen wird. Im Juni war es soweit. „Kurz vor meinem Urlaub reichte ich alles für das Audit ein“, erinnert sich die Pharmazeutin. Jetzt kam die Rückmeldung per Post. „Ich dachte, ich lese nicht richtig, was ich alles unvollständig oder unzureichend gemacht habe und noch nachschauen soll“, sagt sie. Dabei habe sie nichts anders gemacht als beim vorherigen Mal.

Für die Überwachung ist in Dörings Fall die Abda-eigene Agentur für Präqualifizierung (AfP) zuständig. Mehrere Firmen bieten eine Präqualifizierung an, die jeweils maximal fünf Jahre gültig ist. In diesem Zeitraum finden zwei Überwachungen statt. Döring orientierte sich am vorherigen Audit, das vier Jahre zurücklag. In dem Schreiben wurden mehrere Punkte kritisiert. Ihr wurde eine Schonfrist von einer Woche angekündigt.

Einige Fotoaufnahmen wurden beispielsweise erneut angefordert: Auf den bereits eingereichten Bildern sei aber zu sehen gewesen, dass etwa die Tür behindertengerecht sei, sagt sie. „Dass ich den Zollstock überhaupt hinhalten muss, halte ich für sehr übertrieben.“ Die Klingel soll eigentlich auf einer Höhe von 83 Zentimetern angebracht sein. „Bei uns sind es 1,38 Meter“, sagt sie.

Bisher habe es keine Beschwerden von Rollstuhlfahrern gegeben. Ob dies Konsequenzen für das Ergebnis des Audits habe, sei fraglich. Zudem habe sie plötzlich bestimmte Abläufe und Verfahren neu beschreiben müssen. „Da reicht ein Satz nicht aus, das ist sehr aufwendig.“

APOTHEKE ADHOC Debatte

Neuere Artikel zum Thema
Mehr zum Thema
Krankenkasse kündigt Vertrag mit Apotheken
AOK Nordwest streicht Inko-Honorar zusammen »
Mehr aus Ressort
Neuer Service „Mitarbeitergesundheit“
Apotheke stellt Gesundheitsmanager ein »
Weiteres
Kriedel: „Er tritt die Motivationsbremse noch weiter durch“
Ärzte rechnen mit Spahn ab: „Grenze des Machbaren weit überschritten“»
„Versuchskaninchen im Gesundheitswesen“
E-Rezept: Ärzte wollen Einführung mit Petition stoppen»
Einführung trotz winziger Testzahlen
E-Rezept: BMG hält am 1. Januar fest»
Pessina will Apothekenkette verkaufen
Bericht: Walgreens bald ohne Boots»