Hilfsmittelabgabe: „Mir reicht es!“

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Berlin -

Georg Dribusch ist stinksauer. Papierstapel und hunderte Euro Kosten, nur damit er als Service für seine Kunden ein paar Inkontinenzunterlagen abgeben darf. Der Paderborner Apotheker erregt sich über die aus seiner Sicht „überbordende Bürokratie“, die die Präqualifizierung alle paar Jahre mit sich bringt.

„Das wird immer doller, es ist schon grotesk.“ Dribuschs Stimme überschlägt sich fast, als er auf das Thema zu sprechen kommt. „Wir haben gar nicht viel, Inkontinenzvorlagen, Blutzuckermessgeräte und was halt so zum Apothekenbetrieb gehört, aber nicht apothekenpflichtig ist“, erklärt der Inhaber der Apotheke im TAO-Gesundheitspark in Paderborn.

Um GKV-Versicherte mit Hilfsmitteln wie diesen zu versorgen, müssen Apotheken an einem Versorgungsvertrag zwischen Krankenkasse und Apothekerverband teilnehmen. Damit ist es jedoch nicht getan: Bevor eine Apotheke Bettbeutel oder Kompressionsstrümpfe auf Kassenkosten abgeben kann, muss sie ein sogenanntes Präqualifizierungsverfahren durchlaufen. „Das gilt für einen Apotheker genauso wie für einen Fahrradladen, der Rollatoren baut“, sagt Dribusch. Allein der Begriff bringt ihn schon zur Weißglut: „Was soll denn eine Vor-Qualifizierung sein? Ein Apotheker mit seinem Examen muss nich vor-qualifiziert werden, er IST bereits qualifiziert, Hilfsmittel abzugeben!“

Umso unnötiger erscheint ihm deshalb der Aktenstapel, den er dafür besorgen und einreichen muss. Wäre das nur einmalig und umständlich – geschenkt. Aber Dribuschs Unmut erwächst vor allem darüber, dass er diese Präqualifizierung alle fünf Jahre wiederholen muss. Das wollte er nicht einsehen und hat sich an den zuständigen Verband der Ersatzkassen gewandt. Wieso denn eine erneute Antragsstellung notwendig sei, habe er wissen wollen. „Es kann sich ja in den vergangenen fünf Jahren etwas geändert haben“, habe man ihn da abgebügelt. „Was soll sich denn bitte geändert haben?“, fragt der Paderborner. „Das ist so absurd, insbesondere wenn man es im Vergleich sieht: Die Apothekenzulassung gilt ein Leben lang!“

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