Lange Haftstrafen für Apotheker-Bande

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Berlin -

Das Berliner Landgericht hat die Mitglieder einer Rezeptfälscherbande um den Apotheker Klaus H. zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass der Pharmazeut die Krankenkassen zusammen mit seiner Lebensgefährtin Galya S. und mindestens drei weiteren Komplizen um 2,5 Millionen Euro betrogen hat.

Das Urteil ist keine Überraschung, alle Beschuldigten waren seit Prozessbeginn umfassend geständig. Bei der Urteilsverkündung hatte H. sich erneut entschuldigt, insbesondere bei seinem Sohn. Den wird er in Zukunft nur noch selten sehen: Fünf Jahre und zehn Monate Haft wegen Betruges und Urkundenfälschung lautet das Urteil gegen den 53-jährigen Apotheker aus Berlin. Seine Lebensgefährtin Galya S. erhielt vier Jahre und vier Monate, Andrija D. und Heiko O. drei Jahre beziehungsweise drei Jahre und vier Monate.

Glimpflich davongekommen ist der Mitangeklagte Rainer S., er erhielt eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten – weil er ein einziges gefälschtes Rezept für die Bande angenommen und Medikamente abgeholt hat. Auch er zeigte sich vor Gericht geständig und reuig, betonte aber auch, sich akut bedroht gefühlt zu haben. Die 200 Euro Provision, die ihm die Rezeptfälscher versprochen haben sollen, hat er nach eigenen Angaben nie gesehen. „Es war ein großer Fehler, da mitzumachen“, so S. bereits am ersten Verhandlungstag.

Der sechste Angeklagte, Edin S., muss noch auf sein Urteil warten. Ihm wird vorgeworfen, die gefälschten Rezepte mit Patientendaten, die einem Mitarbeiter einer Apotheke in Berlin-Mariendorf abgekauft wurden, besorgt zu haben. Sein Verfahren wurde jedoch wegen seines schlechten gesundheitlichen Zustandes abgetrennt – mehrere Prozesstage begannen verspätet, weil Zweifel an seiner Verhandlungsfähigkeit bestanden. Einer ihn behandelnden Psychiaterin zufolge leidet er unter „hochgradigen Depressionen“, vor Gericht klagte er regelmäßig über Atemnot und Druckschmerzen in der Brust.

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