Medizinproduktehersteller

Hartmann zur Razzia in Heidenheim: Wir waren es nicht

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Berlin -

Korruptionsverdacht gegen einen Medizinproduktehersteller in Baden-Württemberg, Durchsuchungen in Geschäftsräumen an fünf Standorten in Heidenheim: Die Spekulationen schießen ins Kraut, welches Unternehmen dort im Visier der Ermittler ist. Größtes und bekanntestes Branchenunternehmen in Heidenheim ist Paul Hartmann. Der Medizin- und Pflegeproduktehersteller stellt nun sicherheitshalber fest: Wir waren es nicht.

Mit 100 Beamten war die Polizei am Dienstag im Einsatz, es könnte ein millionenschwerer Korruptionsskandal dahinter stehen. In Baden-Württemberg und Bayern soll laut Staatsanwaltschaft Stuttgart eine „Unternehmensgruppe aus dem Gesundheitswesen“ jahrelang Rezeptbetrug im großen Stil begangen haben. Um welches Unternehmen es sich dabei handelt, geben Polizei und Staatsanwaltschaft aber nicht bekannt. Auf Anfrage heißt es nur, dass es zwar keine Medikamente, aber „Medizinprodukte im weiteren Sinne“ – also nicht nach der Definition des Arzneimittelgesetzes – herstelle.

Die Mutmaßung, es könnte sich um die in Heidenheim ansässige Paul Hartmann AG handeln, ist also nicht ganz abwegig. Da ist allerdings nichts dran, versichert ein Unternehmenssprecher auf Anfrage: „Die dort geschilderten Ermittlungen und Durchsuchungen betreffen nicht Hartmann oder eines der Töchterunternehmen.“ Auch um wen es sich handele, wisse man nicht und werde sich auch nicht öffentlich zu Vermutungen oder Mutmaßungen äußern. „Wir haben aus den Medien von der Situation erfahren“, so der Sprecher.

Dabei dürfte es eine Frage der Zeit sein, bis sich zumindest in der Branche rumspricht, um wen es sich handelt. Denn die Vorwürfe wiegen schwer: Es geht um den Verdacht des gewerbsmäßigen Betruges sowie der Bestechung und Bestechlichkeit im Gesundheitswesen. Dabei werden sechs Personen im Alter zwischen 26 und 72 Jahren beschuldigt, bei denen es sich sowohl um Ärzte als auch um Mitarbeiter der Unternehmensgruppe handelt. Keiner der Beschuldigten wurde in U-Haft genommen.

Ärzte und Unternehmensgruppe sollen jahrelang gemeinsam die Krankenkassen betrogen haben: Mit unterschriebenen Blankorezepte, die die Ärzte dem Unternehmen überlassen haben, soll bei den Kassen Ware abgerechnet worden sein, die gar nicht oder nur in wesentlich geringerem Umfang hergestellt wurde. Den Kassen soll dadurch ein Schaden von mehreren Millionen Euro entstanden sein.

Das Landeskriminalamt Baden-Württemberg, die Polizeipräsidien Aalen und Ulm sowie mehrere bayerischer Polizeipräsidien führten deshalb am Dienstag Durchsuchungen an insgesamt elf Standorten durch, darunter Arztpraxen, Privatwohnungen und Geschäftsräume der Unternehmensgruppe. Fünf der Standorte sind in Heidenheim und jeweils einer in Ulm, Neu-Ulm, im Ostalbkreis sowie in den Landkreisen Fürstenfeldbruck, Donau-Ries und Mühldorf am Inn. Laut Staatsanwaltschaft wurden zahlreiche schriftliche Unterlagen und elektronische Datenträger sichergestellt, die nun ausgewertet werden müssen. Dann wird sich zeigen, ob sich die Vorwürfe erhärten.

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