Hirnvenenthrombosen: Auch ältere Frauen betroffen

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Berlin - Bislang wurden Hirnvenenthrombosen nach einer Corona-Impfung meist bei jungen Frauen beobachtet. Eine Analyse der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) zeigt nun jedoch ein anderes Bild: Demnach können auch ältere Frauen von der seltenen Nebenwirkung betroffen sein.

Nach den Meldungen über Sinusvenen- und Hirnvenenthrombosen in Zusammenhang mit dem Corona-Impfstoff von AstraZeneca kristallisierte sich relativ schnell heraus, dass vorwiegend junge Frauen ein erhöhtes Risiko aufwiesen. Die DGN hatte daraufhin alle neurologischen Kliniken in Deutschland dazu aufgefordert über derartige Fälle zu berichten, um ein gesammeltes Bild zu erhalten. Gemeldet werden sollten alle zerebralen Sinus- und Hirnvenenthrombosen (CVT) sowie ischämische und hämorrhagische Schlaganfälle, die innerhalb eines Monats nach der Corona-Impfung auftraten.

Nun hat die DGN die Ergebnisse ausgewertet: Insgesamt wurden der Fachgesellschaft 87 Meldungen übermittelt – bei 62 stellten die Experten einen möglichen Zusammenhang mit einem Corona-Vakzin her. Mehr als 85 Prozent der Fälle traten nach dem Impfstoff Vaxzevria von AstraZeneca auf, die anderen Fälle nach dem Impfstoff Comirnaty von Biontech/Pfizer. In Zusammenhang mit dem Vakzin von Moderna wurden keine Fälle berichtet – dieser wurde im Überwachungszeitraum jedoch deutlich weniger verimpft als die anderen beiden Kandidaten.

In fast allen Fällen – bei mehr als 95 Prozent – kam es unmittelbar nach der ersten Impfdosis zu den Vorfällen: Insgesamt traten 45 zerebrale Venenthrombosen, neun ischämische Schlaganfälle, vier Hirnblutungen und vier andere thrombotische Ereignisse auf. Das mittlere Alter lag bei 46,7 Jahren – mehr als 77 Prozent waren unter 60 Jahre alt.

Die Verteilung der einzelnen Ereignisse war wie folgt:

  • Hirn- und Sinusvenenthrombosen: 37 Fälle Vaxzevria / 8 Fälle Comirnaty
  • Ischämische Schlaganfälle: 8 nach Vaxzevria / 1 nach Comirnaty
  • Hirnblutungen: 4 Vaxzevria / 0 Comirnaty

Unter Berücksichtigung der verimpften Mengen ermitteln die Experten damit für den AstraZeneca-Impfstoff eine mehr als neunmal höhere Rate bei den Hirn- und Sinusvenenthrombosen.

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