Hypothesen zu Hirnthrombosen

, Uhr
Berlin -

In der Corona-Pandemie sind Forscher nicht mehr unter sich. Hypothesen wie die zu den seltenen Hirnthrombosen schaffen es oft schon früh in die Öffentlichkeit. Für den Laien wird es dann komplex.

Warum verursacht der Impfstoff Vaxzevria von AstraZeneca in sehr seltenen Fällen Thrombosen im Gehirn? Dazu kursieren verschiedene Hypothesen, eine eindeutige Antwort gibt es noch nicht. „So funktioniert Forschung“, sagt Carsten Watzl, der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie. „Es gibt ein Problem. Dann werden Theorien aufgestellt. Die muss man dann prüfen und am Ende sehen, was davon übrigbleibt.“ Die Corona-Pandemie hat solche Diskussionen in die Öffentlichkeit geholt – das Interesse ist gewaltig. Laien können dadurch dabei sein, wie sich Fachleute einem Problem nähern. Das kann spannend, aber auch verwirrend sein, wie das Vaxzevria-Beispiel zeigt.

Die Ausgangslage

Vaxzevria führt in sehr seltenen Fällen zu Thrombosen im Gehirn. Es geht es um das „Thrombose-mit-Thrombozytopenie-Syndrom“ (TTS), bei dem es zu Blutgerinnseln mit gleichzeitig niedrigem Blutplättchenspiegel kommt. Dem Paul-Ehrlich-Institut (PEI) wurden bei rund 8,5 Millionen verabreichten Impfdosen bis 25. Mai 94 Fälle von TTS in Deutschland gemeldet, 17 Menschen starben. Zwei Drittel der Betroffenen sind jünger als 60. Deshalb ist der Impfstoff für Menschen unter 60 nicht mehr empfohlen. Das Gleiche gilt für das Mittel von Johnson & Johnson, nachdem in den USA Thrombose-Fälle aufgetreten sind. In Deutschland gibt es laut PEI bislang noch keine TTS-Meldungen bei Johnson & Johnson, allerdings wurden bei uns bislang vergleichsweise wenig Dosen des Impfstoffs verabreicht.

Eine Hypothese

Zunächst war völlig unklar, warum die Impfungen zu TTS führen können. Auffällig war, dass die Nebenwirkungen bei den beiden zugelassenen mRNA-Impfstoffen nicht vermehrt vorkommen, sondern nur bei den Vektorimpfstoffen von AstraZeneca und Johnson & Johnson. Als einer der ersten stellte Andreas Greinacher von der Universitätsmedizin Greifswald eine Theorie vor, die vereinfacht gesagt so geht: Bestimmte Bestandteile des Vektorimpfstoffs scheinen an das Protein „Plättchenfaktor 4“ zu binden, das auf der Oberfläche der Thrombozyten sitzt. An diesen Komplex können bestimmte fehlgeleitete Antikörper binden, die als Folge einer durch die Impfung ausgelösten Entzündungsreaktion im Körper unterwegs sind. Diese Verbindungen führen dazu, dass die Blutplättchen verklumpen. Es entstehen Blutgerinnsel (Thrombosen) im Gehirn mit einem gleichzeitigen Mangel an freien Blutplättchen (Thrombozytopenie).

Newsletter
Das Wichtigste des Tages direkt in Ihr Postfach. Kostenlos!

Hinweis zum Newsletter & Datenschutz

Lesen Sie auch

APOTHEKE ADHOC Debatte

Weiteres
Podcast NUR MAL SO ZUM WISSEN
Karl, der Mal-sehen-wie-Große»
Mehr Transparenz in der Lieferkette
EMA bekommt Engpass-Datenbank»
Streit um das Millionenprojekt
LAV-Beitrag: 50 Euro pro Monat für Gedisa»
Suspension und Kapseln
Sildenafil in der Pädiatrie»
„Der Betriebsablauf darf nicht gestört werden“
Angestellte abwerben: Das ist nicht erlaubt»
Report Mainz über Impfpassfälschungen
Apotheken im Fadenkreuz von Impfgegnern»
Dosierung, bedenkliche Stoffe, Preis
Retaxgefahr Rezeptur»
Rechtliche und pharmazeutische Aspekte
Grauzone: Abgabe von mehreren OTC-Packungen»