Vorteile, Resistenzen, Zeitpunkte

Fresh-Up: Paxlovid und Lagevrio

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Berlin -

Paxlovid (Nirmatrelvir/Ritonavir, Pfizer) und Lagevrio (Molnupiravir, MSD) können – rechtzeitig eingenommen – das Risiko für schwere Verläufe einer Corona-Infektion senken. Doch wer sollte die Covid-Mittel eigentlich einnehmen? Und was muss der/die Patient:in wissen? Hier ein kurzes Fresh-Up zu den beiden Substanzen, um im Herbst optimal beraten zu können – auch mit Blick auf eventuelle Resistenzen bei Paxlovid.

Sowohl Paxlovid als auch Lagevrio sind für die Behandlung von Patienten mit leichtem bis mittelschwerem Covid-19 zugelassen, die derzeit nicht im Krankenhaus sind, aber ein erhöhtes Risiko haben, einen schweren Verlauf zu entwickeln. Die beiden Mittel müssen frühzeitig eingenommen werden. Die Anwendung muss innerhalb von fünf Tagen nach Auftreten der Covid-19-Symptome gestartet werden.

Paxlovid hat die Nase vorn

Beide Präparate hemmen die Virusreplikation im Körper. Da sich das Virus nicht ausbreiten kann, werden die Symptome eingeschränkt. Die Dauer der Symptome wird dabei wahrscheinlich nicht verkürzt. Lediglich das Risiko einer notwendigen Krankenhauseinweisung sinkt. Dabei scheint Paxlovid bisher zuverlässiger vor schweren Verläufen mit stationärer Behandlung zu schützen als Lagevrio. Aktuell wird es deshalb bevorzugt eingesetzt.

Resistenzen gegen antivirale Medikamente

Doch es steht die Befürchtung von Resistenzen im Raum. Erste Studien deuten darauf hin, dass das Problem beim Wirkstoff Nirmatrelvir liegen könnte. Einige Corona-Varianten wiesen in In-vitro-Studien eine Resistenz gegenüber Nirmatrelvir auf. Dabei ist es genau dieser Wirkstoff, der spezifisch gegen Sars-CoV-2 vorgeht (Hemmung der Hauptprotease). Ritonavir ist quasi nur als Booster enthalten. Dass solche (Kreuz-)Resistenzen entstehen können, hatte man bereits vermutet.

Einschränkungen bei der Therapie

Paxlovid sollte nicht bei vorliegenden schwerer Nieren- oder Lebererkrankungen verabreicht werden. Darüber hinaus kann die Einnahme bestimmter Medikamente zu Wechselwirkungen mit Paxlovid führen. Die Liste von Wechselwirkungen ist lang. Bei folgenden Wirkstofen besteht eine Kontraindikation gegenüber der gleichzeitigen Einnahme:

  • Statine: Simvastatin, Lovastatin
  • Thrombozytenaggregationshemmer: Clopidogrel, Ticagrelor, Prasugrel
  • Antiarrhythmika: Amiodaron, Propafenon
  • Herzinsuffizienz-Medikamente: Ivabradin
  • Antikoagulantien: Rivaroxaban, Endoxaban, Apixaban, Dabigatran
  • PAH-Medikamente: Bosentan, Sildenafil, Tadalafil, Avanafil, Vardenafil
  • Antirheumatika: Colchicin, Piroxicam
  • Alpha-Blocker: Alfuzosin
  • Erektile Dysfunktion: Sildenafil, Tadalafil, Vardenafil
  • Antibiotika: Rifampicin, Fusidinsäure
  • Virostatika: Glecaprevir/Pibrentasvir
  • Antiepileptika/Sedativa: Phenytoin, Phenobarbital, Carbamazepin, Diazepam, Estazolam, Flurazepam, Midazolam (oral), Clorazepat, Triazolam
  • Antipsychotika/Antidepressiva/Anxiolytika: Clozapin, Quetiapin
  • Migräne: Ergotamin (-derivate)
  • Chemotherapeutika: Neratinib, Venetoclax, Apalutamid
  • Analgetika: Pethidin, Norpethidin, Piroxicam, Propoxyphen
  • Antihistaminika: Astemizol, Terfenadin
  • Pflanzliche Arzneimittel: Johanniskraut
  • Drogen: Amphetamin, Ketamin

Patient:innen sollten eine Liste der aktuell einzunehmenden Medikamente beim Ärzt/ bei der Ärztin oder in der Apotheke vorlegen, sodass die Mediziner:innen und Apotheker:innen das Risiko von Wechselwirkungen einschätzen können. Wichtig: Ein eigenständiges Absetzen von Dauermedikationen kann das Risiko für eine Verschlechterung des Allgemeinzustandes erhöhen. Covid-Infizierte, die Paxlovid erhalten und hierfür in Absprache mit dem Arzt/der Ärztin eine Therapie pausieren, sollten sich darüber bewusst sein, dass der Wirkstoff nach der letzten Einnahme nicht direkt aus dem Körper raus ist. Die Hemmung von CYP3A4 durch Paxlovid hält rund drei bis fünf Tage nach dem Ende der Einnahme in relevantem Maße an. Dementsprechend können andere Therapien nicht direkt nach Ende der Behandlung wieder angesetzt werden.

Entscheidungskriterien für den Einsatz von Covid-Medikamenten

  • BMI über 30
  • Alter über 60 Jahre
  • COPD
  • Diabetes mellitus
  • Schwere Herzerkrankungen
  • Chronische Lungenerkrankung
  • Chronische Niereninsuffizienz
  • Aktive Krebserkrankung

Covid-Medikamente und Schwangerschaft

Es liegen keine wissenschaftlichen Daten zur Sicherheit während der Schwangerschaft vor. Bei Lagevrio sollten Frauen im gebärfähigen Alter vor der Anwendung einen Schwangerschaftstest durchführen. Männer, die Lagevrio einnehmen, sollten während der Behandlung und für drei Monate danach kein Kind zeugen. Bei Paxlovid wird empfohlen, dass als Vorsichtsmaßnahme während der Einnahme und eine Woche nach Beendigung der Behandlung auf Geschlechtsverkehr verzichtet wird. Wird ein hormonelles Verhütungsmittel angewendet, wird empfohlen, ein Kondom oder eine andere nicht-hormonelle Verhütungsmethode zu verwenden, da Paxlovid die Wirksamkeit von hormonellen Kontrazeptiva beeinträchtigen kann.

Molnupiravir kann auch unerwünschte Wirkungen auf den gestillten Säugling haben. Deshalb sollte das Stillen während der Dauer der Behandlung und für vier Tage nach Einnahme der letzten Dosis unterbrochen werden.

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