Glaeske: „Medikamentenabhängigkeit ist weiblich“

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Berlin - Geschätzt bis zu 1,9 Millionen Menschen in Deutschland sind laut „Jahrbuch Sucht 2017“ süchtig nach Medikamenten, vor allem ältere Frauen. „Es wird immer wieder verkannt: Aber es ist die zweite große Abhängigkeit in Deutschland – hinter Tabak, aber noch vor Alkohol“ sagte Arzneimittelexperte Gerd Glaeske von der Universität Bremen. Dort hat die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) gestern ihr neues Jahrbuch vorgelegt. Dazu Fragen und Antworten:

Wer ist besonders betroffen?
„Medikamentenabhängigkeit ist weiblich“, sagte Glaeske. Er sieht vor allem Über-65-Jährige betroffen, die in Studien zum Thema bislang aber gar nicht einbezogen seien. Frauen bekommen nachweislich mehr Medikamente, die auf die Psyche wirken, wie Tranquilizer und Antidepressiva, wie aus dem Jahrbuch hervorgeht. „Hier scheinen Rollenstereotype einen Einfluss auf die Verordnungen zu haben [...]“, heißt es.

Welche Pillen können abhängig machen?
Allen voran sind es Schlafmittel und Beruhigungsmittel, insbesondere aus der Gruppe der Benzodiazepine und sogenannte Z-Drugs, deren Wirkstoffe mit dem Buchstaben Z beginnen. Solche Mittel werden zum Beispiel bei Schlafstörungen oder Panikattacken verordnet, sie beruhigen und lassen das Leben leichter erscheinen – können aber binnen weniger Wochen abhängig machen.

Anders als bei manch illegaler Droge müssten Konsumenten die Dosis nicht erhöhen, um einen Effekt zu spüren, sagte Glaeske. Vielmehr nehmen sie täglich ein oder zwei Tabletten, manchmal über Jahrzehnte in gutem Glauben. Ein Problembewusstsein fehlt. Experten sprechen von einer stillen, nach innen gerichteten Sucht.

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