In Rheinland-Pfalz wurde eine Infektion mit dem West-Nil-Virus beim Menschen nachgewiesen, die erstmals lokal erworben wurde. Mehrere europäische Länder melden zudem schon früh in der Saison Fälle. Das Centrum für Reisemedizin (CRM) rät Reisenden und Ärztinnen und Ärzten, West-Nil-Fieber in der Mückensaison stärker zu berücksichtigen und auf typische Symptome zu achten.
Eines der wichtigsten saisonalen Infektionsthemen sei derzeit das West-Nil-Fieber erklärt Professor Dr. Tomas Jelinek, wissenschaftlicher Leiter des CRM. So wurden in Italien bereits 94 Fälle und in Griechenland 42 Fälle mit vier Todesfällen registriert. Aber auch aus Spanien, Nordmazedonien, Rumänien und Frankreich kommen Meldungen zu Infektionen. Ebenso verzeichnen die USA mit 113 Infektionen bis Ende Juli ungewöhnlich viele Fälle.
„Für Deutschland ist der aktuelle Nachweis im Rhein-Pfalz-Kreis relevant, weil sich das West-Nil-Virus nicht mehr nur als Reiseinfektion zeigt“, so das CRM. Seit 2018 werde das Virus hierzulande bei Vögeln und Pferden nachgewiesen, seit 2019 auch bei lokal infizierten Menschen. „Die Schwerpunkte lagen bisher vor allem in Ostdeutschland; einzelne Nachweise in weiteren Bundesländern zeigen, dass sich Risikogebiete verändern können.“
Das West-Nil-Fieber sei kein ausschließlich tropenmedizinisches Thema mehr, so Jelinek. „Das Virus zirkuliert saisonal in Teilen Europas und inzwischen auch in Deutschland“, erläutert er. „Für die meisten Menschen bleibt eine Infektion unbemerkt oder mild. Ältere Menschen und immungeschwächte Personen können jedoch schwer erkranken.“
„Wenn Patientinnen und Patienten im Spätsommer nach Aufenthalt in betroffenen Regionen mit unklarem Fieber, Hautausschlag oder neurologischen Symptomen in die Praxis kommen, sollte West-Nil-Fieber differenzialdiagnostisch mitgedacht werden“, so Jelinek. „Das gilt nach Reisen nach Südeuropa oder in die USA, zunehmend aber auch nach Aufenthalten in betroffenen deutschen Regionen.“
In den ersten Krankheitstagen kann eine RT-PCR aus Blut oder Liquor sinnvoll sein, später stehen serologische Verfahren im Vordergrund, so der Experte. Wegen möglicher Kreuzreaktionen mit anderen Flaviviren oder Impfungen könne eine bestätigende Spezialdiagnostik nötig sein. Akute Infektionen sind meldepflichtig. Eine spezifische antivirale Therapie oder zugelassene Impfung für Menschen steht jedoch bislang nicht zur Verfügung. Deswegen erfolgt die Behandlung symptomatisch. Umso wichtiger bleibt daher die Expositionsprophylaxe.
Das CRM empfiehlt in betroffenen Regionen konsequenten Mückenschutz: lange, helle Kleidung, Repellents, Insektenschutzgitter, Moskitonetze sowie geschlossene Räume am Abend und in der Nacht. Stehendes Wasser im Wohnumfeld sollte entfernt werden. „Mückenschutz ist bei West-Nil-Fieber die zentrale Prävention“, betont Jelinek. „Das gilt besonders für Menschen mit erhöhtem Risiko für schwere Verläufe.“ Reisende sollten sich vor Aufenthalten in betroffenen Regionen informieren und bei Fieber, Hautausschlag oder neurologischen Beschwerden nach Mückenstichen ärztlichen Rat einholen.
Das West-Nil-Virus wird vor allem durch Culex-Mücken übertragen, die auch in Deutschland verbreitet sind. Vögel dienen als Reservoir; Menschen und Pferde tragen in der Regel nicht zur weiteren Verbreitung bei. Die meisten Infektionen verlaufen ohne Symptome. Etwa jede fünfte infizierte Person entwickelt Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, Abgeschlagenheit oder Hautausschlag. Etwa eine von 100 Personen erkrankt schwer, etwa an Meningitis oder Enzephalitis; betroffen sind vor allem Ältere und Immungeschwächte.
In Griechenland hat sich die Zahl der Infektionen mit dem West-Nil-Virus innerhalb von rund zwei Wochen mehr als verdoppelt. Bis zum 12. August wurden landesweit 110 Fälle registriert, wie die Gesundheitsbehörde EODY mitteilte. Ende Juli waren es noch 42 Fälle. Neun Menschen starben durch die Infektion. Alle Verstorbenen waren über 65 Jahre alt.
Bei 81 Betroffenen entwickelte sich eine schwere Erkrankung des zentralen Nervensystems, darunter Enzephalitis, Meningitis oder andere neurologische Komplikationen. Nach Angaben der EODY wurden Fälle vor allem im Großraum der Hauptstadt Athen festgestellt.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte erst kürzlich wegen mehrerer Erkrankungen an West-Nil-Fieber in Südeuropa zu verstärkter Wachsamkeit aufgerufen. Auch in Italien gab es eine Häufung von Fällen.
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