AMNOG: „Wolf ohne Zähne“

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Berlin -

Neue Arzneimittel gegen Krebs und andere schwere Krankheiten bringen trotz hoher Zusatzkosten laut einer Studie oft nur wenig für die Patienten. Von 23 neuen Mitteln des Jahres 2013 seien 13 negativ zu bewerten, heißt in aktuellen Innovationsreport der Techniker Krankenkasse (TK). Gegen verbreitete Volkskrankheiten wie Bluthochdruck, Diabetes oder Rückenschmerzen gebe es dagegen so gut wie keine neuen Medikamente, kritisierten die Verfasser des Reports, Professor Dr. Petra Thürmann, Professor Dr. Wolf-Dieter Ludwig sowie Professor Dr. Gerd Glaeske.

„Der Anteil der nicht innovativen Arzneimittel überwiegt“, fasste Glaeske zusammen. Ludwig, Vorsitzender der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ), betonte, „dass der Großteil neuer Arzneimittel keine Innovation ist“ und dass sich die Hersteller zudem auf den Bereich der Onkologie konzentrierten: Der Anteil onkologischer Präparate war mit 9 von 23 neuen Präparaten (40 Prozent) erneut auffallend hoch, was sich auch bei den Ausgaben bemerkbar macht. 65 Prozent der Kosten für die untersuchten Präparate entfielen 2015 auf diese Medikamente – ein weit überproportionaler Anteil.

Krebsarzneimittel erreichten an den Arzneimittelausgaben inzwischen fünf Milliarden Euro. „Das ist ein sehr lukratives Geschäftsfeld“, so Ludwig. Gegen die hohen Kosten stehe überwiegend eine Lebensverlängerung von „nur wenigen Wochen oder Monaten“. Ludwig forderte eine gesellschaftliche Diskussion über Kosten und Nutzen neuer Arzneimittel. Gerade in der Onkologie zeichneten sich in den nächsten Jahren Kostensteigerungen von heute 70.000 auf 100.000 bis 200.000 Euro je Patient ab: „Die ethische und medizinische Debatte über die exorbitanten Preise in der Krebsmedizin werden wir in der Gesellschaft führen müssen“, so Ludwig.

Der TK-Report bewertet die Arzneimittel mit Ampelfarben. Mit Perjeta (Pertuzumab) erhielt nur eines der untersuchten 23 Medikamente die grüne Bestnote, neun Mittel bewertete der Report mit „gelb“, 13 nur mit „rot“ als nicht empfehlenswert. Überprüft wurden die Existenz vergleichbarer Mittel, der Mehrwert für die Patienten und der Preis. Bei 15 der neuen Mittel stehen den Patienten danach bereits andere Medikamente mit ähnlichem Wirkmechanismus zur Verfügung. In acht Fällen gebe es keine Verbesserungen für die Patienten – oder sogar eine negative Nutzen-Schaden-Bewertung. Sechs Mittel seien teurer als bisher für die gleichen Krankheiten zugelassene Mittel.

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