Schummer (CDU): Krebspatienten wohnortnah versorgen | APOTHEKE ADHOC
Zyto-Versorgung

Schummer (CDU): Krebspatienten wohnortnah versorgen

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Berlin -

Als in der Zyto-Versorgung noch Exklusivverträge herrschten, hat Roland Christmann von der Sebastian-Apotheke bereits Kontakt zu seinem Wahlkreisabgeordneten Uwe Schummer (CDU) aufgenommen. Seit dem Schiedsspruch zur Hilfstaxe kann Christmann gar nicht mehr abschätzen, wie es mit der Zyto-Herstellung weitergeht. Daher hat er Schummer in die Apotheke eingeladen, um seine Lage zu besprechen.

Der Deutsche Apothekerverband (DAV) und sein Landesapothekerverband Nordrhein hätten auf seine Hilferufe nicht reagiert, berichtet der Apotheker. Schummer schon: Gemeinsam mit dem Landtagsabgeordneten Marcus Optendrenk (CDU) besuchte Schummer zu Wochenbeginn die Sebastian-Apotheke in Nettetal. „Apotheken sind aus einer funktionierenden Daseinsvorsorge nicht wegzudenken“, sicherte der Willicher Bundestagsabgeordnete Schummer seine Unterstützung zu. Das umfasse auch die wohnortnahe Patientenversorgung von Krebspatienten.

Schummer ist zwar kein Gesundheitspolitiker, aber Vorsitzender der einflussreichen Arbeitnehmergruppe der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Der Arbeitnehmergruppe gehören circa 90 Mitglieder an. Schummer sitzt zudem im Fraktionsvorstand. „Die spezialisierten Apotheken in Deutschland haben zunehmend Probleme durch steigende Investitionen und Personalmangel mit den sogenannten Compounding-Centern preislich mitzuhalten“, so Roland Christmann von der auf Zytostatika spezialisierten Sebastian-Apotheke in Lobberich.

Die Tendenz aller Apotheken in Deutschland sehe nicht rosig aus. Bundesweit hätten schon 328 Apotheken, die den Patienten ortsnah versorgen, schließen müssen, während es nur 50 Neueröffnungen gab. Besonders die auf Krebsbehandlung spezialisierten Apotheken stehen aktuell sehr unter Druck. Durch die massiven Einschnitte seitens der Krankenkassen entstehe für die lokalen Apotheken die Problematik, dass der Arbeitspreis nicht mehr kostendeckend sei. Dadurch werde indirekt auch die Versorgung der Patienten gefährdet, die zwar keine Zytostatika aber andere aseptisch hergestellte Zubereitungen, Schmerzpumpen für die Palliativversorgung oder besondere Antibiotika-Zubereitungen, benötigen.

Christmann wies Schummer auf die Probleme mit der neuen Hilfstaxe hin: „Mit diesen Preisen kann ich nicht mehr kostendeckend arbeiten. Wir wissen nicht, wie es mit der Zyto-Versorgung weitergeht.“ Christmann muss einerseits den Open-House-Vertrag der AOK und anderer Kassen beachten, und für andere Patienten die Wirkstoffpreise aushandeln. „Das kostet nicht nur viel Zeit. Ein Hersteller hat bereits die Lieferungen wegen der zu niedrigen Preise eingestellt, ein anderer wollte zu Alt-Konditionen liefern“, so Christmann.

Auf die Standesvertretung der Apotheker ist Christmann derzeit nicht gut zu sprechen: „Ich erwarte vom DAV, dass er die Verhandlungen über die Hilfstaxe gut vorbereitet angeht.“ Das schlechte Ergebnis für die Zyto-Apotheken vermittle ein anderes Bild. Christmann hat daher versucht, mit DAV-Chef Fritz Becker und LAV Nordrhein-Chef Thomas Preis telefonisch die Lage zu besprechen. Beide hätten nicht zurückgerufen, berichtet Christmann.

Dafür sagten Optendrenk und Schummer den Apotheken ihre Unterstützung zu, denn die ortsnahe Patientenversorgung müsse auch weiterhin gesichert sein. Eine zeitnahe und gute Versorgung der Krebspatienten dürfe nicht durch eine überzogene Rationalisierung gefährdet werden. „Es muss eine Diskussion über die Qualitätsstandards und die Kostendeckung geben, damit die ortsnahen Apotheken auch weiterhin die Qualität anbieten können, die die Bürger im Falle einer Erkrankung von ihnen erwarten“, so Optendrenk. An dem Gespräch nahm neben Roland Christmann auch Christian Köhler, der Inhaber der Neuen Grenzapotheke in Kaldenkirchen teil, der die Probleme der Apotheker bestätigte.

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