Zur Haft verurteilt

Orthopäde machte heimlich Nacktbilder von Patientinnen

, Uhr
Berlin -

Ein Orthopäde ist unter anderem wegen des heimlichen Fotografierens von Patientinnen und sexuellen Missbrauchs zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Das Landgericht Osnabrück sprach für den 43-Jährigen zudem ein lebenslanges Verbot aus, als Orthopäde weibliche Patienten zu behandeln. Er wurde auch der Herstellung kinder- und jugendpornografischen Materials schuldig gesprochen.

Die Kammer sah es als erwiesen an, dass der Arzt aus dem Landkreis Osnabrück seit 2018 heimlich mit einem Smartphone Patientinnen in seinem Behandlungszimmer gefilmt hat. Später sei er dazu übergegangen, seine Opfer – darunter auch ein Kind und mehrere Jugendliche – mit entblößtem Oberkörper und heruntergezogenen Slip von vorn heimlich zu fotografieren und sie dabei im Intimbereich zu berühren.

Angeblich medizinische Untersuchungen

Er habe den Patientinnen erklärt, dass es sich um medizinische Untersuchungen gehandelt habe – in Wahrheit habe es keine medizinischen Gründe gegeben, sagte die Vorsitzende Richterin Nadine Laatz-Petersohn. Mehr als 190 Fälle seien von der Kammer bewertet worden, bei rund der Hälfte sei es zusätzlich zu den heimlichen Fotos auch zu den medizinisch nicht zu rechtfertigenden Berührungen im Intimbereich gekommen.

Voyeuristischer Trieb

Die Kammer sei überzeugt, dass der Mediziner seinem voyeuristischen Trieb nachgehen wollte, sagte Laatz-Petersohn. Diesen habe er eigenen Angaben zufolge bereits in der Pubertät verspürt. Während seines Studiums habe er heimlich Kommilitoninnen gefilmt.

Als er nach seiner Facharztausbildung mit seiner Frau eine eigene Praxis geführt habe, habe er wegen der großen beruflichen Belastung immer häufiger seinem Trieb nachgegeben. Dem Mediziner habe es Befriedigung gegeben, sich die heimlich angefertigten Aufnahmen anzusehen und die aus seiner Sicht besten Fotos auszuwählen.

Mehr als 9000 Aufnahmen

Die Kammer habe auch überlegt, ob nicht die Einweisung in eine psychiatrische Klinik in Betracht komme. Letztlich habe man ein Verbot der Behandlung weiblicher Patienten gewählt, weil der Angeklagte die voyeuristische Neigung nur bei Frauen habe. Unter den mehr als 9000 Aufnahmen, die während des Prozesses gesichtet wurden, habe sich kein einziger Mann befunden.

Betroffene sind geschockt

„Sie wollten Ihr Leben lang Arzt werden, wollten Menschen helfen, sie waren angesehen und geschätzt, die Patienten sind gerne zu Ihnen gekommen“, sagte die Vorsitzende Richterin. Der Angeklagte habe für viele Patientinnen als ein „fantastischer Orthopäde“ gewirkt. Umso größer sei für die Betroffenen das Erschrecken gewesen, als sie im Zuge der Ermittlungen von den Tatvorwürfen hörten.

„Die meisten haben mit Schock, Scham, Trauer und Fassungslosigkeit reagiert“, sagte Laatz-Petersohn. Einige Patientinnen hätten seitdem ihr Vertrauen in Ärzte komplett verloren, andere hätten als Folge auch im privaten Bereich Scheu vor intimen Berührungen aufgebaut. Immerhin habe die Kammer keine Hinweise, dass die Aufnahmen an Dritte gegangen seien.

Newsletter
Das Wichtigste des Tages direkt in Ihr Postfach. Kostenlos!

Hinweis zum Newsletter & Datenschutz

APOTHEKE ADHOC Debatte